Antisemitismus (früher: Judaphobie) ist eine Abart der Xenophobie,
die feindselige Beziehung zu Juden als ethnischer oder religiöser Gruppe, die
sich in Form von Verfolgung, Erniedrigung, Gewalt oder Diskriminierung äußert.
Man unterscheidet mehrere Erscheinungsformen:
Der antike Antisemitismus:
die häufigsten Anschuldigungen waren, dass die Juden die ganze Welt
hassten, gegen nationale Mentalitäten und Bräuche verstießen, die
Wirtschaft schädigten und eine religiöse Irrlehre verbreiteten.
Der christliche
Antisemitismus: wirft den Juden vor, den Jesus als Messias nicht
anzuerkennen und für seine Kreuzigung verantwortlich gewesen zu sein.
Der rassistische
Antisemitismus: man kann sagen, die „typische" Art, weil
gerade mit ihm das Entstehen des Begriffes „Antisemitismus" verbunden
ist. Das schlimmste Ergebnis ist - der Holocaust.
Der antizionistische
Antisemitismus: verbreitet den Hass gegen die nationalstaatlichen
Bestrebungen der Juden, vor allem gegen die Gründung des Staates Israel.
Erklärungen:
Nach verbreiteter Meinung ist seit dem Mittelalter die Absonderung der
Juden von der übrigen Bevölkerung ein wichtiger Grund für den Antisemitismus:
Der Judaismus ist eine monotheistische Religion, und die Juden glauben, dass
sie das auserwählte Volk sind.Doch gibt es auch Meinungen, die
einen politischen und ökonomischen Grund nennen, z.B. die Möglichkeit der
Juden, im Geldverleih tätig zu sein, während dies den Christen nicht erlaubt
war. Da sich viele Schuldner übernahmen, waren sie auf jüdische Geldverleiher
sauer und nannten sie Wucherer. So entstand das Bild vom jüdischen Wucherer.
Außerdem durften Juden keiner Zunft beitreten bzw. Handwerker sein. Schließlich
wurden im Kontext von Katastrophen, Kreuzzügen, Pest bzw. Schwarzem Tod u.ä.
gerne Juden für verantwortlich erklärt. Solche Theorien führten in der Folge
häufig zu Pogromen an Juden.
Antijudaismus nennt man jene Judenfeindschaft im Christentum, die mit
theologischen Motiven begründet wird. Meistens geht es um die Anklage der Juden
wegen des sog. „Gottesmords", der allen Juden die Schuld am Tod Jesus
Christi gibt. Man sagt, dass diese Judenfeindschaft durch den Alleingeltungsanspruch
des Christentums entstand. Die christliche Kirche stellte die Juden als
"verstockt", "Gottesmörder", "Brunnenvergifter",
"Kindesmörder", "Hostienfrevler", "Schweine" und
Feindbild des "reichen", "geizigen", "listigen"
Menschen dar. Diese Stereotype entwickelten sich zeitgleich mit der
Tabuisierung bestimmter Berufe für Christen und der Ghettoisierung jüdischer
Gemeinden im Mittelalter. Sie wurden von den Kirchen propagiert, durchgesetzt
und oft im Kontext von sozialen Mißständen, Kreuzzügen und Epidemien aktiviert.
Der Antijudaismus äußerte sich in Zwangstaufen, Verketzerung, Ausgrenzung,
Kriminalisierung, Stigmatisierung, Hassausbrüchen, ungeplanten Massakern bis
hin zu organisiertem Massenmord bei Pogromen. Bisweilen hatte er die
Vertreibung aller Juden aus einer Stadt oder Region zur Folge.
Antizionismus: bezeichnet politische und religiöse Ansichten, die
sich gegen den Zionismus und den Staat Israel richten. Die Antizionisten
behaupten, nicht die Juden zu bekämpfen, sondern nur den Zionismus, das heißt
konkret die israelische Politik oder sogar den Staat Israel als ganzes, weil
dieser durch die Sehnsucht und Heimkehr der Juden nach Zion entstanden ist.
Weil sich die Araber gegen die Besiedlung des britischen Mandatsgebiets
Palästina durch Juden wandten, entstand der Begriff Antizionismus. Manche
halten den Antizionismus für bloße Propaganda und erkennen darin eine
Neuauflage der Legende von der „jüdischen Weltverschwörung", wonach das
„Weltjudentum" mit Hilfe eines verschwörerischen Plans die Weltwirtschaft
besetzen will. Auch die antizionistische Polemik in der islamischen Welt weist
mitunter eine starke Ähnlichkeit mit den antijüdischen Parolen der Christen im
Mittelalter auf. Es gibt aber auch die Meinung, dass antizionistische
Positionen lediglich israelische Politik kritisieren, nicht aber den gesamten
Staat Israel in Frage stellen wollen.
Fazit:
Die Feindschaft gegen die Juden tritt häufig in allen drei Spielarten auf: dem
Antijudaismus, den wir als Angriff auf Glauben und Erwählung der Juden definieren
können, dem Antizionismus, d. h. dem Angriff auf das Recht der Juden auf ihr
Land, und dem Antisemitismus, dem Angriff auf die Juden als Volk. Während der
nackte Antisemitismus in unseren Breiten zurzeit offiziell verpönt ist - wer
möchte schon gern mit Hitler und seiner „Endlösung" in einen Topf geworfen
werden -, ist es beim Antizionismus und beim Antijudaismus schwieriger, weil
beide auf Politik bzw. Religion zielen.
Zum Schluss kann man sagen, dass es zwei entgegengesetzte Positionen gibt. Die
erste Position nimmt an, dass im Grunde genommen alle drei Begriffe
antisemitisch und gegen das jüdische Volk gerichtet sind. Die andere Meinung
ist, dass alle drei Formulierungen jeweils unterschiedliche Aspekte betrachten
(Volk, Religion, Politik), aber unter diesen dreien der Antizionismus nicht
notwendigerweise antisemitisch oder antijudaistisch sein muss, sondern als
Oberbegriff für Kritik an israelischer Politik benutzt werden kann, die in
demokratischen Gesellschaften selbstverständlich sein sollte.