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Das jüdische Viertel in Prag Drucken
In Prag hat die jüdische Kultur eine lange Tradition. Dies ist daran zu erkennen, dass bereits im 9. Jahrhundert jüdische Kaufleute nach Prag kamen und sich im 12. Jahrhundert erste jüdische Gemeinden bildeten. Im Laufe der Zeit waren die Lebensbedingungen für Juden jedoch prag_jugendstilnicht immer optimal. Im Mittelalter stellte der damalige König den Juden einen limitierten Freiraum zur Ausübung ihrer Traditionen zur Verfügung. Dieses Viertel wurde die „Judenstadt" oder auch „Josephstadt" genannt, das zunächst durch eine Mauer vom Rest der Stadt abgetrennt war. Hier wurden besondere Regeln erlassen. So wurde z.B. eine bestimmte Größe für den jüdischen Friedhof vorgeschrieben, die auch nach mehreren Jahrzehnten nicht überschritten werden durfte. Da der zur Verfügung gestellte Raum im Viertel für die Juden sehr begrenzt war, entstanden viele enge, dicht nebeneinander gebaute mittelalterliche Häuser. Diese Gebäude sind heutzutage nicht mehr sichtbar. Denn aufgrund der schlechten Hygiene und den daraus resultierenden Krankheiten beschloss man um 1900, diese Häuser abzureißen. An ihrer Stelle findet man heute im ehemaligen jüdischen Viertel zahlreiche Bauten im Jugendstil.

Die schlimmste Zeit für die Prager Juden begann, als die deutschen Besetzer während des Zweiten Weltkrieges ihre systematische Ausrottung planten. Hierbei verloren etwa 80% der Prager Juden ihr Leben; von den Überlebenden kehrten nur wenige zurück. Doch noch heute sind in der Prager „Josephstadt" wertvolle Zeugnisse der jüdischen Kultur erhalten geblieben. Die Häuser des Viertels gehören zu den prachtvollsten Gebäuden Prags.In der Entstehungszeit der Prager „Josephstadt" Mitte des 13. Jahrhunderts entstand die Altneu-Synagoge, welche im frühgotischen Stil erbaut wurde.  Diese Synagoge ist heute die älteste aktiv genutzte Synagoge weltweit. Die mittelalterliche Synagogenbauweise bzw. der Baustil der damaligen Zeit hat uns persönlich hier sehr imponiert.

alt_neu_synagoge       spanische_synagoge

Im Anschluss besuchten wir die Spanische Synagoge. Bei Bau der Synagoge hat man sich für einen maurischen Stil entschieden. Es finden sich sehr viele prächtige Ornamente an den Wänden. Des Weiteren ist uns aufgefallen, dass keinerlei Gemälde an den Wänden zu sehen sind. Diese Art der Innenausstattung hat uns daher sehr stark an eine Moschee erinnert.

Die Pinkas-Synagoge ist heute ein Museum. Hier hat uns insbesondere bewegt, dass die Namen der im 2. Weltkrieg in der Tschechoslowakei getöteten Juden die Wände verkleiden und somit dem Besucher in jedem Moment vor Augen erscheinen und im Hinterkopf bewusst sind.

namen       grabsteine

Im Anschluss haben wir den direkt daneben gelegenen Alten jüdischen Friedhof besucht. Er wurde im 15. Jahrhundert angelegt und zählt zu den am besten erhaltenen Baudenkmälern der Prager Josefstadt. Hier ist zu erkennen, dass viele Grabsteine sehr dicht aneinander folgen und das Gelände sehr hügelig ist. Dies ist damit zu erklären, dass der damalige König den Juden nur einen begrenzten Raum für die Bestattung ihrer Toten zuerkannt hatte. Somit erfolgten die Bestattungen im Laufe der Jahre in mehreren „Schichten". Man schätzt, dass sich etwa 12.000 Grabsteine auf dem Friedhof befinden. Die bekannteste auf dem Friedhof begrabene Person ist mit Sicherheit Rabbi Löw, der Schöpfer des Golem.

Für uns war der Besuch des jüdischen Viertels in Prag ein besonderes Erlebnis. Durch das, was wir gesehen und gelernt haben, können wir die Geschichte Prags, der unterschiedlichen Baustile dieser Stadt und die Geschichte des jüdischen Lebens nun besser nachvollziehen. Wir haben vieles über Antisemitismus erfahren, begonnen mit dem Mittelalter bis hin zur Nazi-Zeit, und können somit Parallelen zur Gegenwart ziehen.