Ursprünglich 1780 als Garnisonsstadt unter dem
österreichischen Kaiser erbaut, wurde Theresienstadt ab 1941 als Alterslager
und Sammelghetto eingerichtet. Theresienstadt nimmt im NS-Lagersystem eine
absolute Sonderstellung ein: Es weist sowohl Eigenschaften eines Ghettos, eines
Durchgangs- und Konzentrationslagers auf. Bei der „Wannsee-Konferenz" vom 20.
Januar 1942 in Berlin wurde der Plan zur „Endlösung der Judenfrage"
ausgearbeitet. Es wurde beschlossen, in Theresienstadt ein „Altersghetto" einzurichten,
in das Juden über 65 Jahre, prominente Personen, Träger hoher Auszeichnungen
und Invaliden aus dem 1. Weltkrieg deportiert werden sollten. Mitte 1942 begann
die SS mit den Massentransporten tschechischer Juden - insgesamt 74.000 - nach
Theresienstadt. Aber auch Juden aus anderen Ländern wurden deportiert: aus
Deutschland waren es 43.000 Personen, aus Österreich über 15.000, aus den
Niederlanden 5.000 Juden und 466 aus Dänemark. Während der letzten Kriegsmonate
kamen aus der Slowakei 1500 und aus Ungarn etwa 1000 Personen jüdischer
Abstammung hinzu. Insgesamt waren über 155.000 Häftlinge im Ghetto. Für die
meisten war Theresienstadt Durchgangsstation auf dem Weg in die
Vernichtungslager, für 35.000 direkt die Station in den Tod. Überlebt haben
20.000 Ghettobewohner.
Die Gründung des
Lagers
Die Entstehung des jüdischen Ghettos Theresienstadt war
Bestandteil eines Plans des Stellvertretenden Reichsprotektors Reinhard
Heydrich. Der Plan sah vor,die Juden zuerst von der übrigen
Bevölkerung zu isolieren, sie dann in größeren geschlossenen Einheiten zu
konzentrieren und schließlich in die Vernichtungslager in den Osten
abzuschicken. Aus diesen Gründen spielte Theresienstadt eine Rolle als Sammel-
und Durchgangslager.
Der Ort selbst wurde aus mehreren Gründen gewählt. Die
Festungsstadt ermöglichte eine leichte Überwachung und verfügte bereits über eine
Reihe von Kasernenobjekten. Zugleich konnte dort eine große Anzahl von Leuten
untergebracht werden. Vorteilhaft war auch die Nähe zur Eisenbahnstrecke. Die
Existenz des Polizeigefängnisses in der benachbarten „Kleinen Festung" hatte
eine große Bedeutung, weil die dortige SS-Wachabteilung im Bedarfsfall schnell abgerufen
werden konnte.
Verwaltung und
Bewachung
Es sollte so aussehen, als ob die jüdischen Bürger ihre
Stadt mittels eines Ältestenrats selbst verwalten durften. Sie unterlagen aber
den Befehlen und Weisungen der SS-Kommandatur. Während des Nazi-Regimes gab es
drei Repräsentanten der jüdischen Häftlinge: Jakob Edelstein, Dr. Paul Eppstein
und Dr. Benjamin Murmelstein. Auch die Registrierung der ankommenden Häftlinge
wurde von den Mitarbeitern der jüdischen Selbstverwaltung ausgearbeitet. Jeder
Häftling durfte 50 kg Gepäck mitnehmen. Bei Kontrollen während der Ankunft in
Theresienstadt wurde oft ein Teil dieser einzigen Habe weggenommen. Zu den
Aufgaben der Selbstverwaltung gehörte u.a.: Zentralsekretariat, administrative Tätigkeiten:
(Anwesenheitskontrolle der Häftlinge, Statistik), Wirtschaft
(Arbeitseinteilung, Lagerräume, Sicherstellung der Verpflegung, Wäschereien,
Ungeziefervertilgung, Produktion), Finanzen und jegliche Buchhaltung, Technik
(Wasser- und Stromversorgung, Projektierung, Ausführung von Bauten, Instandhaltung,
Brandschutz), Gesundheit und Sozialfürsorge (Medizinische Einrichtung, Kinder-
und Jugendheime, Altersheime, Bestattungen). Die Ghettowache bestand aus
Häftlingen, die unbewaffnet für Disziplin und Ordnung im überfüllten Lager
sorgten.
Das kulturelle Leben
Das Lager in Terezin unterschied sich von allen anderen
Lagern dadurch, dass hier kulturelles Leben stattgefunden hat wie z.B. Musik,
Theater, Kunst, Literatur und Sport. Denn hier lebten sogenannte Prominente,
die man nicht einfach so beseitigen konnte. Kunst und Kultur in Theresienstadt diente
den Nazis als Alibi und zugleich als Kulisse zur Verdeckung des grausamen
Schicksals, das den Juden längst vorbestimmt war.
Gesundheitswesen/Sterblichkeit
Die Ärzte und Schwestern, die sich unter den Häftlingen
befanden, sorgten für das Wohlergehen. Es wurden Krankenhäuser und weitere
Einrichtungen errichtet, die wenigstens teilweise die medizinische
Grundversorgung ermöglichten. Insgesamt starben in Terezin 35.000 Menschen.
Zeremonienräume
Den jüdischen Menschen wurde es erlaubt, zwei große Hallen als
so genannte Zeremonienräume zu benutzen, wo sie ihre Bestattungsrituale
durchführen konnten. Hier hatten die Menschen die Möglichkeit, Abschied von
ihren verstorbenen Angehörigen zu nehmen. Dies verfolgte lediglich den Zweck,
in erster Linie für Ruhe im Ghetto zu sorgen.
Verpflegung
Hungern war in Theresienstadt alltäglich. Die Lebensmittelrationen
reichte den Menschen angesichts der schweren Arbeit nicht zum Überleben. Die
eintönige und minderwertige Verpflegung führte dazu, dass die Häftlinge in
Theresienstadt mehr als ein Drittel ihres Körpergewichts verloren. Den Menschen
fehlten Vitamine und medizinische Hilfe. So erkrankten Tausende und steckten
sich gegenseitig an. Am meisten litten an Hunger die alten, nicht arbeitenden
Häftlinge, denn sie hatten die geringsten Essensrationen.
Zwangsarbeit
Im Theresienstädter Ghetto bestand Arbeitspflicht, und mit
Ausnahme der Alten und Kranken waren alle vom 14. Lebensjahr an beschäftigt.
Arbeit bot oft bestimmte Vorteile wie bessere Essensrationen und in einigen
Fällen sogar Schutz vor dem Transport in die Vernichtungslager. Ein Teil der
Arbeitskraft wurde für die kriegswichtige Produktion benutzt. Die Häftlinge
mussten grundlegenden Hygieneeinrichtungen schaffen, Wasserleitung und
Kanalisation erweitern, das Anschlussgleis aus Bauschowitz nach Theresienstadt
legen.
Stadtverschönerung
Im Jahre 1943 wurde die Verschönerung und Verbesserung des
Stadtbildes begonnen. Der Grund dafür war der bevorstehende Besuch einer
Delegation des Internationalen Roten Kreuzes (IRK), der für den Frühling 1944
von den Nazis genehmigt wurde. Dazu zählte zum Beispiel ein Wettbewerb, um die
bis dahin mit Buchstaben bezeichneten Straße mit Namen wie ,,Seestraße" zu
benennen. Ein Café wurde gebaut und ein Bankhaus, die Unterkünfte wurden neu
angestrichen. Auf dem zentralen Stadtplatz wurde ein Musikpavillon aufgestellt
und ein Brunnen angelegt und bepflanzt. Kinderspielplätze mit Schaukeln und
Rutschen wurden aufgestellt. In den folgenden Monaten wurde der Empfang der
Delegation eingeübt. Am 23. Juni 1944 wurde die Internationale Delegation
begrüßt. Die SS hielt diesen Tag auf Film fest, um ihn für Propaganda-Zwecke zu
nutzen („Der Führer schenkt den Juden eine Stadt"). Von dem Film sind Fragmente
noch erhalten. Seit der Befreiung durch die Rote Armee ist Terezin wieder
bewohnt.