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Die Kleine Festung Drucken
 

Die kleine Festung wurde von der Habsburgischen Monarchie im 18. Jahrhundert als Wachtposten gebaut. Bei der Bebauung wurden Zellen errichtet. Die kleine Festung hat jedoch ihren ursprünglichen Zweck nie erfüllt und diente immer nur als Gefängnis. Der wohl berühmteste Inhaftierte war der Attentäter von Sarajevo, Gavrilo Princip. Dieses Attentat im Juni 1914 war der Auslöser für den 1. Weltkrieg. Mit Princip zusammen waren auch tschechische Freiheitskämpfer inhaftiert. Die meisten tschechischen Touristen, die Terezín besuchen, besichtigen in der Regel nur die kleine Festung, da sie die letzte Stätte ihrer Helden sehen wollen.

Nach der Besetzung von Tschechien durch Deutschland wurde 1940 die kleine Festung unter dem Kommando der Gestapo weiterhin als Gefängnis genutzt. Die Häftlinge waren politische Gegner des Naziregimes, z.B. Kommunisten oder Sozialdemokraten. Nur eine geringe Anzahl von Häftlingen waren Juden: Juden, die im Ghetto Theresienstadt gegen die Regeln verstießen, oder diejenigen, die sich politisch gegen die Nazis stellten. Für die meisten Häftlinge war die kleine Festung nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zu Nazigerichten, anderen Zuchthäusern, Gefängnissen oder Konzentrationslagern. Die Häftlinge wurden nicht sofort exekutiert, da die Nazis durch sie an wichtige Informationen herankommen wollten. Wenn die Häftlinge sich weigerten, zu kooperieren, wurden sie auf übelste Weise gefoltert. Das Leben der Häftlinge in der kleinen Festung war eine Qual. Sie mussten die schwersten Arbeiten verrichten, wurden nicht richtig medizinisch behandelt. Durch die schlechte Ernährung und die unhygienischen Zustände gab es etliche Epidemien.

GemeinschaftszelleDie jüdischen Häftlinge traf es noch schlimmer. Sie hatten keine Pritschen, keine Sitzbänke, keinen Ofen. Sie wurden in Massen in winzigen Stehzellen gesteckt und hatten nicht einmal den Platz, sich zu setzen. Es gab in der kleinen Festung Einzelzellen und Gemeinschaftszellen sowie eine gemeinsame Dusche mit wenig Wasser. In einer Gemeinschaftszelle wurden 60 bis 90 Häftlinge eingepfercht. Ausgestattet waren diese mit Pritschen, Sitzbänken, einem Ofen und wenigen Regalen. Die Einzelzellen waren dunkel, es gab nur eine geringe Luftzufuhr und einen kleinen Ofen. Die Zellen dienten zur Isolierung der „Schwerverbrecher", die zum Tode verurteilt wurden. Die Hinrichtung erfolgte generell durch ein Erschießungskommando. Es gab nur ein einziges Mal eine Erhängung von drei Widerstandskämpfern, die jeder Häftling zur Abschreckung beobachten musste. Hierzu wurde extra ein Galgen aufgebaut. 

FriedhofBei unserem Besuch der Festung fiel uns an erster Stelle der sehr schöne Friedhof auf, der der Toten gedenken soll und wie ein gut angelegter Garten aussieht. Die kleine Festung an sich scheint mit ihrem grünen Rasen, den roten Ziegelsteinen und den Denkmälern wie eine kleine Burg. Dabei liegen auf diesem Friedhof  über 10 000 Menschen, die gefoltert, erniedrigt oder ermordet wurden.  Die meisten sind durch die schlechten Bedingungen oder Epidemien gestorben. Die kleine Festung ist der Beweis dafür, was diesen Menschen angetan wurde. Die Zellen, die Mauern und die SS-Räumlichkeiten spiegeln immer noch das Leid wider. Und auch wenn die Sonne scheint, kann sie den dunklen Schatten der Festung nicht verbergen. Dieser Eindruck vermittelt jedem eine Gänsehaut und lässt  kalte Schauer über den Rücken laufen.

Man sieht vor seinem inneren Auge die zusammengepressten, abgemagerten und von Krankheiten geschwächten Menschen in den Zellen kauern. Die Vorstellung, dass Häftlinge auf dem Weg zu Ihrer Hinrichtung am Schwimmbad der SS-Besatzung vorbeilaufen mussten, durch das Tor des Todes zum Hinrichtungsort, bewirkt, dass man sich die Frage stellt, wie Vergnügen und Qual so nah beieinander liegen können. Obwohl das Gefängnis heute nicht mehr genutzt wird, macht die schreckliche Wahrheit der Vergangenheit die Festung zu einem Brandmal, das die Unbarmherzigkeit der deutschen Besatzer zeigt.