Der bekannte Gelsenkirchener Fußballverein FC Schalke 04 wäre
ohne die Ruhrpolen nicht das geworden, was er heute ist. Wie der Fußball
allgemein zu seiner Anfangszeit, so war auch Schalke 04 zunächst ein eher bürgerlicher
Verein, dessen Jugendtrainer erst spät in den 1920er Jahren damit begannen, die
große Begeisterung und das große Potential in der Arbeiterklasse für den Fußball
zu
beachten. Sie gingen gezielt in den Gelsenkirchener Zechensiedlungen auf
Talentsuche. Diese waren hauptsächlich von den polnischen Einwanderern bzw.
ihren Kindern und Enkeln bewohnt. Dort stießen sie
schließlich auf die goldene Generation des Vereins: Sechs deutsche
Meisterschaften hatten sie in den 30er und 40er erkämpfen können!
Neider und Rivalen gaben Schalke deshalb den Beinamen
"Proleten- und Polackenverein". Gerüchte, Legenden und Anekdoten gibt
es bis heute über diese Zeit. So titelten polnische Zeitschriften in den
dreißiger Jahren tatsächlich, dass Polen deutscher Fußballmeister geworden sei - was
die Naziführung in Deutschland damals schwer ärgerte. Dem Verein und den meisten
Spielern war das alles unangenehm. Schalke 04 brachte damals ein
peinliches Rundschreiben mit dem Titel "Schluss mit polnischen Gerüchten"
heraus. Darin waren Stammbäume der Spieler verzeichnet, welche zeigen sollten,
dass alle Spieler und ihre Eltern im damaligen Deutschland oder im Kaiserreich
bzw. Preußen geboren wurden. Dabei wurde jedoch nicht beachtet, dass es bis
1918 mehr als 100 Jahre lang keinen polnischen Staat gab und in den damaligen deutschen
Ostgebieten seit jeher Polen wohnten.
Den Nazis war der "polnische" FC Schalke 04 dennoch erstaunlich gleichgültig. Sie erkannten in dem großen Erfolg des
Arbeitervereins große Möglichkeiten für ihre Propaganda. Im weiteren Verlauf
der Nachkriegsgeschichte des Vereins tauchten immer wieder große Spieler mit polnischen
Namen auf, ob nun Spieler aus Gelsenkirchen selbst oder dem übrigen Ruhrgebiet,
insbesondere Willi Koslowski, Reinhard Libuda oder Rüdiger Abramczik.