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Der Sturz des Schah von Persien, Reza Pahlewi vor genau 30 Jahren wird allgemein als „Islamische Revolution" bezeichnet. Was tatsächlich stattfand, war eine soziale Revolution, die durch Chomeini und die Mullahs unterdrückt wurde. Ein kurzer Rückblick auf die jüngere iranische Geschichte:

schahSchah Mohammad Reza Pahlavi, Herrscher von 1941 bis 1979, leitete ab 1963 mit der sogenannten „Weißen Revolution" umfangreiche wirtschaftliche, politische und soziale Reformen ein. Mit den steigenden Öleinnahmen konnte ein Industrialisierungsprogramm aufgelegt werden, das den Iran in wenigen Jahren von einem Entwicklungsland zu einem aufstrebenden Industriestaat machte. Industrialisierung und gesellschaftliche Modernisierung führten von Beginn an zu Spannungen mit den konservativen Teilen der schiitischen Geistlichkeit. Insbesondere Ayatollah Chomeini sprach sich bereits 1963 gegen das Reformprogramm aus. Neben der islamischen Opposition der Fedajin-e Islam bildete sich eine linke Guerillabewegung im Iran, die das Land mit „bewaffnetem Kampf" verändern wollte. 
 
Die „Weiße Revolution" beinhaltete zwar die Umverteilung von Land, ging jedoch einher mit hohen Entschädigungszahlungen an die ehemaligen Großgrundbesitzer. Die Entschädigungen wurden großteils durch die Privatisierung staatlicher Unternehmen finanziert. Der Schah zielte darauf ab, aus den ehemaligen Großgrundbesitzern ein neues nationales Großbürgertum zu schaffen und die gesamte Wirtschaft zu modernisieren. Das Industrialisierungsprogramm des Schah zerstörte die Strukturen ländlicher Kleinproduktion. In den Großproduktionsanlagen waren nicht genug Arbeitsplätze vorhanden, um für alle Menschen, die ihre Lebensgrundlage auf dem Land verloren hatten, Beschäftigung zu bieten, und die ArbeiterInnen in den privatisierten Großbetrieben wurden zu immer schlechteren Bedingungen beschäftigt. Die Repression durch den Geheimdienst SAVAK, die jegliche Opposition zur Monarchie brutal unterdrückte, führte auch dazu, dass Tausende Iraner, meistens besser situierte, ins Ausland flohen - davon sehr viele in die Bundesrepublik Deutschland. Ab dem Beginn des Jahres 1977 kam es immer wieder zu spontanen Streiks, die sich innerhalb nur eines Jahres auf das ganze Land ausdehnten. Die Streikforderungen entwickelten sich von ökonomischen (z.B. Lohnforderungen) hin zu politischen Forderungen, inklusive jener nach dem Sturz des Schah. Bis zum Oktober 1978 traten immer mehr ArbeiterInnen in mehr oder weniger regelmäßig wiederkehrenden Abständen in den Streik, so dass von einem „schleichenden Generalstreik" gesprochen werden kann. Schließlich waren über 1.5 Millionen ArbeiterInnen an den Streiks beteiligt. Landesweit traten neben den Öl-und Stahlarbeitern auch Eisenbahner, Drucker und Bankangestellte in den Streik. An einigen Standorten übernahmen die ArbeiterInnen die alleinige Kontrolle über die Produktion und im Fall der Ölarbeiter sogar über die Distribution (Verteilung). Es kam zu Landbesetzungen, Besetzungen von Schulen und Unis sowie Aufständen der nationalen Minderheiten, vor allem in den Kurdengebieten.
demonstration_iran_1979

Sogar Teile der Armee stellten sich gegen den Schah und wurden durch Massendemos vor Repression geschützt. Ab diesem Zeitpunkt war die Armee gespalten und nicht mehr gegen die Bewegung einsetzbar. Die Massen stürmten die Kerker und befreiten die politischen Gefangenen. Nach erbitterten Kämpfen mit schahtreuen Einheiten lag die Kontrolle über Teheran in den Händen der Bevölkerung. Diese spürten ihre Macht und das Potential der Situation. So erklärten beispielsweise die Erdölarbeiter, auch bei einer Machtübernahme Chomeinis weiterstreiken zu wollen. Mitte Januar 1979 flüchtete der Schah ins Exil, zunächst in die USA und zuletzt nach Ägypten.
 
Zwei Wochen später kehrte Ayatollah Chomeini aus dem französischen Exil zurück. Rasch etablierte er sich als oberste politische Autorität und begann, aus der ehemals konstitutionellen Monarchie eine „Islamische Republik" zu formen. Seine Politik war von einer fundamentalistischen, antiwestlichen Linie geprägt.
chomeiniChomeini forderte die Beruhigung der Bewegung, aber schon am 16. Februar demonstrierten 50.000 Linke und Soldaten gegen die Übernahme des alten Repressionsapparats durch eine neue Regierung. Chomeini musste also zuerst den Widerstand der Streikenden und der Linken brechen - mittels der neu gegründeten „Revolutionsgarden" Pasdaran, „islamischer" Gerichte usw. Chomeinis Basis waren die durch die „Weiße Revolution" vom Land vertriebenen Bauern, die in den Städten meistens keine Arbeit fanden und eine breite Masse arbeitsloser sogenannter "Lumpenproletarier" bildeten, sowie nicht zuletzt die kleinbürgerlichen Bazarhändler, die durch die Reformen der Schahs in ihrer Existenz bedroht worden waren. Schließlich beschloss die Regierung, zahlreiche Betriebe zu verstaatlichen (insgesamt 70% des gesamten Privatsektors!) mit dem Ziel, die Organe der Arbeiter Innen-Selbstverwaltung auf diese Weise besser kontrollieren zu können. Im August 1979 wurden mit einem Schlag über 40 Zeitungen verboten, darunter die gesamte linke Presse. Sämtliche Räumlichkeiten linker Gruppen wurden von den Behörden geschlossen. Tausende Linke und ArbeiterInnen, die in den Streiks und in der Arbeiterbewegung engagiert gewesen waren, wurden verhaftet.
Die Machtsicherung und Stabilisierung des Systems war in den ersten Jahren der Revolution von besonderer Wichtigkeit. Chomeini veranlasste eine umfassende Islamisierung (auch als Kulturrevolution bezeichnet) der iranischen Gesellschaft. Der Wächterrat, bestehend aus 6 Juristen und 6 Mullahs, hatte seitdem neben dem Revolutionsführer die bedeutendste Position.
Chomeini führte eine strenge Kleiderordnung für Frauen ein, verbot nicht-islamische Zeitungen und Parteien und machte unmissverständlich deutlich, dass jeder Verstoß gegen eine vom Revolutionsregime verhängte Regel als Angriff auf die Revolution gewertet und dementsprechend hart bestraft würde. Seit dieser Zeit flüchteten erneut viele IranerInnen ins Exil. Die Gründe sind vielfältig:

hinrichtung - Menschenrechtsverletzungen: einige hundert Todesstrafen pro Jahr, auch bei Minderjährigen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International berichtet immer wieder von massiven Menschenrechtsverletzungen in großer Zahl

- Keine Meinungsfreiheit: Informations- und Redefreiheit sind im Iran nicht gegeben. Journalisten, Weblogger, Menschenrechtsaktivisten und Oppositionelle müssen mit Repressalien, Verhaftung und sogar Folter rechnen

- Politische Verfolgung: Angehörige von verschiedenen oppositionellen politischen Gruppierungen sind von Todesurteilen und Folter bedroht. Seit 2009 kommt es zur verschärften Verfolgung Oppositioneller, besonders durch die allgegenwärtige islamische Bassidschi-Miliz, welche einen Teil der iranischen Revolutionsgarde stellt

- Religiöse Verfolgung: Nichtmuslimische religiöse Minderheiten (inklusive der rechtlich anerkannten Zoroastrier, Juden und Christen) werden im Iran seit der Revolution systematisch benachteiligt. Insbesondere zeigt das die Verfolgung der Bahai, welche die größte religiöse Minderheit stellen

Mit der Repression der Mullahs wurden die sozialen Errungenschaften der Revolution beseitigt. Von einer fortschrittlichen Bewegung blieb für die Geschichtsschreibung eine „Islamische Revolution".