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Heimat Drucken
→ Zwei Heimaten - Pjatigorsk und Frankfurt

 

→ In Costa Rica habe ich mich stets wie ein fremder Mensch gefühlt 
→ Drei Definitionen von Heimat  
   


Zwei Heimaten - Pjatigorsk und Frankfurt

Ich bin in Russland in der Stadt Pjatigorsk, die im Kauskasus liegt, geboren und aufgewachsen. Das Bergstädtchen ist klein, schön und gemütlich. Ich liebe es sehr, da ich die besten Jahre meines Lebens (die Kindheit und die Jugend) dort verbracht habe. Meine Stadt ist berühmt für die Bergspitzen, die sie umgeben, für ihre Mineralquellen und Schlammbäder.  

 
   
 bischtau  


Der Name Pjatigorsk stammt von dem Berg namens Beschtau, der fünf Gipfel hat und einen großen Teil der Stadt umgibt. Neben der Beschtau, die Frauenberg heißt, weil der letzte Gipfel die Silhouette einer Frau hat, umgeben noch vier Berge die Stadt: Maschuk (der schlafende Vulkan), Elbrus (der Gletscher), Smeika (die Urangruben) und Webliudka (das schlafende Kamel). Es ist eine Legende, dass Maschuk und Beschtau einander sehr liebten. Doch der Vater von Beschtau, Elbrus, war gegen diese Liebe, die ihn die ganze Zeit störte. Da stieg Beschtau auf den höchsten Berg und nahm sich das Leben. Daher stammt der Name des Berges. Maschuk starb innerhalb von wenigen Tagen vor Trauer. Deshalb wurde nach ihm der schlafende Vulkan benannt. Elbrus war nach dem Tod der Tochter auf die ganze Welt erbost, und sein Herz verwandelte sich in ein Stück Eis, aus dem ein Gletscher wurde.

 
   
harfeIn Pjatigorsk gibt es sehr viele historische Denkmäler. An der Stelle, an der der in Russland sehr berühmte Dichter M. J. Lermontow bei einem Duell starb, steht ein Monument mit einer ewigen Flamme. Etwa hundert Meter entfernt steht eine Gartenlaube, die Efiolowaja Harfe genannt wird. Der Architekt war für seine Arbeit nicht bezahlt worden, deshalb baute er eine Harfe in die Kuppel ein, die bei Wind die Besucher erschrecken und vom Besuch abhalten sollte. Doch es geschah das Gegenteil: Die Harfe klingt so schön, dass viele Menschen dorthin kommen. Für Verliebte gibt es die Tore der Liebe, durch die der Mann die Frau auf seinen Armen dreimal in Form einer Acht hindurch tragen muss. Ist das gelungen, kann das Paar ein Band an einem Wunschbaum befestigen. Die Wünsche gehen dann in Erfüllung. Aus dem Häuschen, das Lermontow während seiner Verbannung bewohnte, hat man ein Museum gemacht. Sehenswert sind auch die Grotten, in denen Lermontow gerne dichtete. Es gibt 84 mineralische Quellen, einschließlich des mineralischen Sees Proval, der sich 93 Meter unter der Erde befindet. In Pjatigorsk gibt es 28 Sanatorien. Das Symbol der Stadt ist der Adler. Der Adler befindet sich sowohl auf dem Gipfel des Berges Maschuk wie auch auf dem Wappen der Stadt.   


In Wirklichkeit ist es mir sehr schwer gefallen, mit meinen Verwandten aus dem Ort wegzugehen. Umso mehr, als in diesen Schönheiten viele Leute zurückgeblieben sind, z.B. mein Vater. Zur Migration aus Russland hat mich der Tschetschenische Krieg gebracht. Viele Leute wohnen hier in Deutschland, die die wahre Bedeutung davon nicht verstehen, weil sie es nicht erlebt haben. Sie wissen nicht, was es bedeutet, unter Militärbedingungen und konstant in Angst zu leben. 

 


tore_der_liebeWas ist für mich Heimat und wo ist sie? Wenn ich in erster Linie ehrlich zu mir selber bin, so kann ich sagen, dass ich zwei Heimaten habe. Die erste ist dort, wo ich geboren wurde und aufgewachsen bin. Die zweite ist hier, in dem Land, das mich als Spätaussiedlerin aufgenommen hat. Ich habe Frankfurt nicht weniger lieb gewonnen als Pjatigorsk, obwohl ich mich lange daran gewöhnen musste.

Ob mir meine Heimat bei der Integration geholfen hat? Russland hat mich gelehrt, immer vorwärts zu gehen, zu kämpfen und mich zu schützen. Und es hat mich gelehrt, Optimist zu sein und die ältere Generation, die Tradition und die Kultur anderer zu respektieren. Ich habe Achtung, Freundschaft, die Leute, die dich umgeben, Schönheit, die Geschichte und die Kunst zu schätzen gelernt. Das Wichtigste ist, sich darum zu bemühen, dass die Leute sich gut an dich erinnern. 

 

 
 


In Costa Rica habe ich mich stets wie ein fremder Mensch gefühlt
 

 

    “Ein Jahr Erfahrung im Ausland gilt soviel wie zwei Jahre im eigenen Land”
  (holländisches Sprichwort)

  “Jede neue Sprache, die man lernt, gibt einem ein neues Leben neben dem,
  das man schon kennt” (tschechisches Sprichwort)

Ich bin 24 Jahre alt und habe diese Philosophien aus meinen Erlebnissen in mein Leben integriert. Meine Herkunft ist, genau wie der Titel dieser Webseite andeutet, eine “Mixstory”. Obwohl ich mein Leben hauptsächlich in meinem Vaterland verbracht habe, habe ich die großen Verwirrungen eines Ausländers sehr stark gelebt. Als ich 5 Jahre alt war, bin ich nach England gereist, während meine Eltern dort ein Studium absolviert haben. Ich habe dann meine zweite Sprache gelernt, Englisch - eine, die mir jetzt noch genauso wichtig ist wie meine Muttersprache, Spanisch. Meine Eltern sind zwar Costaricaner und ich bin auch in diesem Land geboren, aber ich habe mich nie besonders costaricanisch gefühlt.

Zwischen meinem 8. und 12. Lebensjahr habe ich in einer zweisprachigen internationalen Gemeinschaft gewohnt (dank des Berufs meines Vaters). Es war eine besondere Wohnsiedlung, wo Menschen aus der ganzen Welt hingereist sind, um in den Tropen Wohlfahrts- und Entwicklungsprojekte durchzuführen. Darunter waren Europäer, Lateinamerikaner aus Dutzenden von Ländern des gesamten amerikanischen Kontinents: Amerikaner, Kanadier, Asiaten, Afrikaner und Australier. In dieser Gemeinschaft hatten alle Jobs, ein gutes Gehalt, und es herrschte ein herrliches Sicherheitsgefühl: Es gab keine Drogen auf den Straßen, fast keinen Verkehr, und wir haben nie etwas über Kriminalität erfahren. Zusammengehörigkeit wuchs inmitten großer Straßen, üppiger Wälder und Gärten, wo es keinen Winter gab und wo der frische Regen niemanden störte. Alle waren ökonomisch auf der gleichen Ebene, und deshalb könnten sich alle gut verstehen.

Meine ersten Freunde habe ich in dieser Phase meines Lebens kennen gelernt, sie waren Amerikaner, Inder und Lateinamerikaner aus Guatemala und der Dominikanischen Republik. Die anderen traf ich regelmäßig in der dort liegenden internationalen Schule, wo es immer eine freundliche Stimmung gab. Obwohl viele Klassenkameraden damals Costaricaner waren, hatte ich keine richtigen Freundschaften mit ihnen aufgebaut, auch nicht im Kindergarten, den ich in einer anderen Stadt besucht hatte. Daher weiß ich, dass ich meine Identität und meine Heimat irgendwo anders gefunden hatte: in dieser Gemeinschaft, in “el CATIE”.

In Costa Rica habe ich mich stets wie ein fremder Mensch gefühlt. Mein einziger Freund war komischerweise halb Brasilianer und halb Uruguayer. Er hatte ebenfalls mehrere Jahre im CATIE verbracht, und ich traf ihn zufällig in der höheren Schule. Die Gelegenheit ist für mich nie gekommen, richtiges Vertrauen zu Costaricanern aufbauen zu können. San José, die Hauptstadt, in der ich nachher gewohnt habe, fand ich äußerst gewalttätig, beschränkt und unmenschlich. Erst als ich 18 Jahre alt wurde, änderte sich die Situation. Ich traf einen Niederländer, der mich stark beeinflusst hat. Von ihm lernte ich den ersten Grundsatz meiner Philosophie. Er hatte Englisch gelernt, um mit anderen Menschen kommunizieren zu können, obwohl es ihm nicht leicht gefallen war, was mir sehr imponierte. Ich beschloss folglich, Holländisch zu lernen, um ihm zu beweisen, dass ich mir genauso viele Mühe geben konnte.

In diesem Jahr lernte ich auch einen Österreicher, einen Belgier, eine Mexikanerin und einen Engländer kennen, die meine besten Freunde wurden. Sie schätzten mein Interesse an anderen Ländern und hatten kein Problem mit meiner Individualität. Sie waren älter als ich und verstanden mich - anders als die Jungs in meinem Alter. Ich musste neue Welten aufsuchen, um meine Heimat wieder zu finden. Jetzt bin ich in Deutschland, und nun fällt es mir ein: Ich hatte eine Heimat im CATIE gefunden, und ich suche immer noch einen Ersatz, aber ich habe ihn bisher nicht gefunden. Aber es war mir vorher unbewusst.

 

bootreise Deshalb beschloss ich, nach Europa zu reisen. Ich wollte Abenteuer erleben und bin zusammen mit einem angeblichen costaricanischen Freund nach Frankreich gereist. Der erste Monat dort war eine ziemlich schwierige Zeit, denn wir wohnten in extremer Armut. Wir konnten mit unseren Ressourcen kaum überleben, und es gab immer Sorge und Streit, was eine große Enttäuschung war. Danach bin ich nach Belgien gereist und habe für 3 Monate bei den Eltern meines belgischen Freundes gelebt. Dort musste ich mein Holländisch verbessern, um mit dem alten Ehepaar reden zu können… Ich füllte mich wie ein neuer Mensch. Die Belgier haben mich völlig angenommen, und das einzige, was ich machen musste, war ihre Sprache zu lernen und Interesse für die Kultur zu zeigen. Dank meines Vorwissens war das relativ leicht.

 

Diese Erfahrung war eine große Motivation, um dies in Tschechien zu wiederholen (als Costaricaner durfte ich nur 3 Monate auf einmal in der Europäischen Union bleiben, und danach musste ich 3 Monate weg bleiben). Tschechisch ist wesentlich komplizierter, es gibt sieben grammatische Fälle, und der slawische Wörterschatz war mir völlig neu. Ich musste diese Zeit überbrücken, und dank der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen habe ich auch diese Kultur entdeckt. Danach ging ich nach Österreich. Aufgrund meiner Vorkenntnisse in der tschechischen Grammatik und dank meines holländischen Wortschatzes könnte ich Deutsch schneller begreifen. Die großen Freundschaften, die ich in diesen drei Ländern aufgebaut habe, sind jetzt der größte Grund dafür, warum ich mir noch Mühe gebe, diese Sprachen zu lernen. Ich habe drei Heimaten gefunden, und dennoch fühle ich kein Bedürfnis, in einem dieser Länder zu leben oder eine Staatsangehörigkeit zu bekommen.

salud Wenn man im Ausland ist, wird man von den Problemen ziemlich hart betroffen, erlebt aber auch glückliche Momente viel schöner. Es kann zur Idealisierung oder Satanisierung des Landes führen, je nachdem wie es der Person gegangen ist. Hier in Deutschland haben mich die Menschen gut akzeptiert, aber ich finde, dass einige Ausländer hier eine Bevorzugung genießen, während andere diskriminiert werden. Viele eingewanderte Ausländer haben das Problem, dass sie unter einem großen Druck stehen, sich für eine von zwei Identitäten zu entscheiden. Dieses Problem ähnelt dem meinen. In den neuen Ländern habe ich die Schönheit eines Familienlebens zum ersten Mal erfahren. Meine Eltern hatten immer gearbeitet und wenig Zeit für mich. Deshalb habe ich diese Zeit mit ihnen nicht genossen.

Ich kann potenziell diskriminiert werden, weil ich schwul bin. Ich muss gegen das allgemeine Vorurteil kämpfen, dass alle Schwulen promiskuitiv, weibisch, asozial, krank und leer sind. Ich bin für bedeutungsvolle Liebesbeziehungen und bin sehr stolz darauf, mich männlich zu benehmen. Ich will mit der Gesellschaft zusammenarbeiten und ein gesundes Leben führen. Und wahrscheinlich auch ein Kind erziehen, damit mein Leben eine große Transzendenz erhält. Ich bin davon überzeugt, dass es Schwule gibt, die ganz normale Menschen sind, aber die sich verstecken und unsere Ehre vernachlässigt haben.

Ich hasse mein Herkunftsland nicht. Aber manche Eigenarten Costa Ricas habe ich nie assimiliert, wie z.B. ihre Fremdenfeindlichkeit gegenüber Menschen aus ärmeren Ländern, und wie arrogant sie in Lateinamerika wegen ihres begünstigten Status als armeefreies Wohlfahrtsland auftreten. Aufgrund ihres geographischen Standorts und historischen Hintergrundes ist die Bevölkerung sehr homogen, und man spricht nur Spanisch. Sowohl die schöne, beschützte Natur wie auch die friedliche Außerpolitik finde ich sehr lobenswert. Aber mit der Meinung, dass Costaricaner überlegen sind, und der Benennung Costa Ricas als “die mittelamerikanische Schweiz” stimme ich überhaupt nicht überein. Der Begriff “Staatsangehörigkeit” sagt mir sehr wenig. Für mich sind meine nahen Freunde meine echte Familie, und bei ihnen bin ich daheim. Obwohl ich mich bei meinen Eltern bedanken sollte, sind sie leider meine Heimat nicht.

 
   


Drei Definitionen von Heimat

Meine Familie, mein Dorf und alle Kinder dort

Ich bin in einem kleinen Dorf geboren. Unsere Familie war groß: meine Eltern meine Großmutter, vier Schwester und ich. Die Eltern haben gearbeitet, wir sind zur Schule gegangen; anschließend haben wir studiert. Ich war die Älteste und musste immer auf meine Schwestern aufpassen. Alle Leute in unserem Dorf waren freundlich und haben viel gearbeitet. Ich habe einen Diplom als Arzthelferin gemacht und in unserem Krankenhaus gearbeitet. Meine Arbeit hat mir viel Spaß gemacht. Ich habe mit vielen Leuten zu tun gehabt. Mit 22 Jahren habe ich geheiratet und 25 Jahre mit meinem Mann zusammen gelebt. Ich war jedem Kind bekannt, dem ich auf die Welt zu kommen geholfen habe. Sie sind schon alle erwachsen und haben eigene Kinder.

Kurz gefasst: meine Familie, meine Arbeit, mein Dorf, alle Kinder in meinem Dorf sind für mich HEIMAT. 

Nina Schnor


Heimat ist, wo ich im Kindergarten und in der Schule war

Die Heimat kann für jeden Mensch etwas anderes sein. Für den einen bedeutet Heimat der Ort, wo er geboren ist, für den anderen, wo er ganzes Leben verbracht hat usw.

Persönlich für mich ist meine Heimat Russland, trotz der Tatsache, dass ich in der Stadt Baku in der Republik Aserbajdzhan geboren bin. Ich denke das ist so, weil ich erst zwei Jahre alt war, als wir aus Baku nach Russland umgezogen sind. Ich kann mich gar nicht an das Leben in Baku erinnern. Ich habe mein Leben seitdem in Russland verbracht: meine Kindergartenzeit, meine Schulzeit, meine Universitätszeit usw. Außerdem habe ich in Russland fast alle meine Verwandten, Bekannten, Freunde und natürlich meine Familie. Das Leben in Russland gefällt mir sehr. Vielleicht könnte es in einem anderen Land besser sein, aber ich habe für mich für immer Russland gewählt. Man kann gern in andere Länder fahren oder fliegen, z. B. in den Urlaub, aber nach einiger Zeit will man zurück nach Hause, zurück in die Heimat.

Seda Galustjan 



Heimat ist, wo ich geboren wurde


Ich denke, jeder Mensch hat eine eigene Meinung darüber, was für ihn Heimat bedeutet. Einige Leute sagen: „Die Heimat ist dort, wo man sich wohl fühlt.“ Andere Leute sagen: „Die Heimat ist dort, wo man geboren ist.“ Meine Heimat ist Kasachstan, weil ich dort geboren bin. Ich habe 26 Jahre in Kasachstan gewohnt. In Kasachstan habe ich meine besten Kinderjahre und Jugendjahre verbracht. In Kasachstan hatte ich meine erste Jugendliebe.

Ich wohne in Deutschland seit nun zwei Jahren. Deshalb kann ich nicht sagen, dass Deutschland meine Heimat ist. Deutschland ist meine historische Heimat. Vielleicht werde ich in 30 Jahren eine andere Meinung haben, das kann sein. Aber ich weiß genau, dass ich die Jahre, die ich in Kasachstan verbracht habe, nie in meinem Leben vergessen werde. 

Irina Quint