Ich bin 17 Jahre alt und in Fortaleza geboren. Das liegt im Norden von Brasilien. Dort habe ich zehn Jahre gelebt, dann sind wir 2000 in die Türkei umgezogen, weil mein Vater aus beruflichen Gründen dort arbeiten musste. Meine Eltern wollten, dass wir - meine Geschwister und ich - eine bessere Zukunft haben. Irgendwann haben wir einen Urlaub in Deutschland gemacht, und meine Eltern fanden es dort wunderbar. Hier gab es Arbeit für meinen Vater, er ist Kfz-Mechaniker. Es war für mich sehr schwierig, die deutsche Sprache zu lernen. Davor hatte ich schon türkisch gelernt, aber bis jetzt kann ich es noch nicht so gut. Mittlerweile kann ich besser deutsch reden. Ich freue mich immer, wenn ich mit jemandem Portugues sprechen kann. Ich hoffe, dass ich eine Ausbildung finden werde, am liebsten als Anstreicher und Lackierer. Ich möchte einen Job finden, der Spaß macht. Ich habe die brasilianische Staatsangehörigkeit, und ich fühle mich als ein Brasilianer.
Nasir
Ich heiße Ertem Nasir, bin 21 Jahre alt und lebe seit 16 Jahren in Deutschland. Ich bin mit fünf Jahren zusammen mit meinen Eltern aus der Türkei nach Deutschland gezogen. Ich bin in einer Situation, mit der ich nicht zurechtkomme, weil ich jeden Tag damit rechnen muss, abgeschoben zu werden. Können Sie sich vorstellen, wie es ist, abgeschoben zu werden, wenn man sein gesamtes Leben hier verbracht hat?
Ich bin hier aufgewachsen, kenne mich hier aus, ich wüsste nicht, wie ich in der Türkei zurechtkommen sollte. Zwischenzeitlich habe ich meine Muttersprache verlernt, wie soll ich mich denn dort verständigen?
Ich will gar nicht daran denken, dahin zurückzugehen, weil ich dann wieder bei Null anfangen müsste. Ich habe Angst, alles zu verlieren, meine Familie und meine Freunde. Ich bin nie kriminell gewesen und habe mir auch nichts zuschulden kommen lassen. Wieso soll ich also abgeschoben werden? Schiebt man denn einen Deutschen in einem fremden Land ab, selbst wenn er kriminell ist? Wohl eher nicht. Ich möchte nur die gleichen Rechte haben wie alle anderen auch!
Bin ich für die denn nur eine Nummer, dass sie nicht wissen, was sie mit mir und Menschen, die in der gleichen Situation sind wie ich, machen sollen?
Ich muss damit leben, nur weil ich kein Deutscher bin. Es beschäftigt mich pausenlos, denn ich kann mich absolut nicht damit abfinden. Können Sie sich vorstellen, was das für ein Gefühl ist?
Dimak
Ich heiße Dimak, und ich komme aus der Ukraine, genau genommen aus der Stadt Winnitza, das liegt 200 km von der Hauptstadt Kiew entfernt. Ich bin 18 Jahre alt und bin seit dem 27. Februar 2003 in Deutschland, also seit ungefähr 2,5 Jahren. Erst war ich in Stuttgart. Und dann bin ich mit meiner Familie nach Frankfurt am Main umgezogen. Wir kamen nach Deutschland, weil meine Eltern für mich eine bessere Zukunft wollten. Leider sehe ich meine ukrainischen Freunde nicht mehr, aber ich habe in Deutschland neue Freunde gefunden.
Als ich in der BRD angekommen bin, konnte ich nicht so viel deutsch reden. Und ich konnte gar nichts verstehen, wenn irgendwer mir etwas auf deutsch sagte. Das war für mich ein großes Problem. In Stuttgart habe ich einen deutschen Sprachkurs beendet und habe dort die Hauptschule und die Realschule besucht. Jetzt wohne ich in Frankfurt und bin Schüler von einem beruflichen Gymnasium (Klingerschule). Trotzdem freue ich mich, wenn ich mit meinen Freunden russisch sprechen kann.
In der Zukunft möchte ich Mathelehrer sein, weil ich gut Mathematik kann, das ist mein Lieblingsfach. Ich fühle mich in Deutschland sehr wohl. Ich habe noch die ukrainische Staatangehörigkeit, aber ich möchte gerne Deutscher werden.
Erkan S.
Ich heiße Erkan Solak und bin am 16.09.1983 in Frankfurt am Main /Deutschland geboren. Ich lebe mittlerweile seit 22 Jahren in Deutschland. Ich habe zwei Geschwister. Sie sind jeweils 14 Jahre jung, denn sie sind Zwillinge. Meine Eltern sind in der Türkei geboren und dann nach Deutschland gezogen.
Von unserer Familie war mein Opa der erste Einwanderer nach Deutschland. Als mein Vater 17 war, folgte er ihm. Mein Opa kommt aus einem Dorf, das den Namen Helete hat und im Süden der Türkei liegt. Mein Vater hat dann gleich als Kellner in einem Restaurant in Frankfurt gearbeitet. Als er 19 war, hat er meine Mutter, die damals 16 war, kennengelernt, und sie haben geheiratet. Bei uns bzw. bei den Leuten, die aus dem Dorf meines Vaters kommen, ist es normal, dass man erst in der Türkei heiratet und dann in Deutschland. Es gab also zwei Hochzeiten.
Ich selber habe oft Verständnisprobleme mit meinem Vater, da er von mir dasselbe erwartet wie von sich selbst. Er bringt jedes Mal den Satz: „Als ich in deinem Alter war, habe ich eine Familie ernährt, ich habe gearbeitet. Und du?“. Na ja, die ältere Generation sieht das ganze Leben eben anders als die Jugend von heute. Die meisten denken, wir müssten auch ne Familie ernähren, wir müssten groß rauskommen. Doch jeder Jugendliche hat eine andere Lebensweise. Manche genießen ihr Leben, manche studieren, und manche faulenzen.
Ich selber arbeite bei meinem Vater im Restaurant und freue mich darüber, ein Ausländer zu sein. Warum wohl? Na ja, ich habe eine Schwäche für Frauen, und die meisten Frauen stehen ja nicht auf Deutsche, sondern eher auf Südländer. Ich selber habe zwar deutsche Freunde, mit denen ich mich gut verstehe und die mich als Ausländer akzeptieren.
Manchmal kommt es sogar vor, dass sie sich auch wie ein Ausländer fühlen bzw. gerne einer sein wollen. Das Schlimme ist aber, dass Ausländer - ich sage jetzt mal Türken - benachteiligt werden, z.B. von der Polizei. Als ich noch keinen deutschen Pass hatte, wurde ich von der Polizei durchsucht, ausgezogen, richtig kontrolliert, aber seitdem ich meinen deutschen Pass habe, werde ich nur noch nach meinen Ausweis gefragt, und das war’s! Endlich keine Kontrollen mehr, endlich Ruhe!