Ich würde mich schämen ohne Kopftuch, weil ich Verwandte habe, die mich dann so sehen könnten. Das ist hier in Deutschland ganz anders als bei uns in der Türkei, weil dort viele Frauen Kopftuch tragen müssen.
Ich fände es blöd, wenn das Kopftuchtragen verboten wird, weil es doch jedem selber überlassen sein sollte, ob er eines trägt oder nicht. Ich würde mich dann schämen. Es würde mir und den anderen blöd vorkommen. Außerdem finde ich das nicht doll, wenn ich nach einer Lehrstelle frage und sie mir direkt „Nein“ sagen. Und das nur wegen meinem Kopftuch! Im Koran steht aber, dass die Frauen Kopftuch tragen müssen, damit die Männer die Haare nicht sehen können. Man muss sich als Frau so anziehen, dass man die Figur nicht erkennen kann. Alles andere ist Sünde. Frauen dürfen auch keine Hosen tragen.
Mir ist das schon wichtig,. Ich weiß zwar nicht, wie die anderen darüber denken, aber ich halte mich an meine Religion, weil mir der Glaube sehr wichtig ist. Deshalb möchte ich gerne, wenn ich einmal heirate, in die Türkei zurück, weil dort alles viel leichter ist.
Ferdi Hamza
1991 kam ich nach Deutschland, als der Bürgerkrieg in Kroatien gerade begonnen hatte. Damals war ich sechs Jahre alt. Meine Familie hatte sich überlegt, nach Deutschland zu flüchten, da wir Angst hatten, umgebracht zu werden. Deshalb sind wir nach Deutschland gekommen, da wir von Freunden gehört hatten, dass es dort mit der Sicherheit viel besser wäre. Und wir hatten gehofft, dass es besser wird. Aber das war nicht so. Wir bekamen in Deutschland unsere Rechte nicht . Seit 15 Jahren sind wir nur geduldet, alle drei Monate aufs Neue! Meine Eltern und ich wären sehr froh, wenn wir in diesem Land das Bleiberecht bekommen würden, bevor wir sterben.
Narsir
Meiner Meinung nach kann ich mich in der Türkei nicht mehr anpassen, da ich die Sprache kaum sprechen kann. Bei uns geht man wie in Deutschland mit sechs Jahren zur Schule. Als meine Eltern mit mir nach Deutschland kamen, war ich vier Jahre alt. Das bedeutet, dass ich in meinem Heimatland die Schule gar nicht gesehen habe. Das erste Mal habe ich Kindergarten und Schule in Deutschland besucht. Ich habe mein zehntes Schuljahr in Deutschland vollendet und einen Hauptschulabschluss. Und ich habe mich der deutschen Kultur angepasst, da ich die Sprache gut beherrsche.
Ich bin seit 17 Jahren in Deutschland, und man hat mir keine Chance auf ein freies Leben gegeben.
Sascha Gomes
Ich kann mich an den Empfang in Deutschland nicht richtig erinnern, weil ich erst zwei Jahre alt war, als wir aus Portugal nach Deutschland gekommen sind. Im Kindergarten und in der Schule wurde ich eigentlich ganz gut aufgenommen - bis auf ein paar unangenehmere Erlebnisse, die es auch gab. Ich bin in Frankfurt am Main geboren, verbrachte aber die ersten beiden Jahre in Portugal, wo mein Vater lebte. Meine Mutter ist halb Deutsche und halb Amerikanerin.
Ich bin jetzt 18 Jahre alt und muss mir nun überlegen, welche Staatsangehörigkeit ich annehmen will: portugiesisch oder deutsch. Ich würde gerne in Deutschland bleiben, aber wenn die wirtschaftliche Situation sich hier nicht bessert, werde ich möglicherweise nach Portugal zurückgehen.
BCT
Die Integrationsgeschichte meiner Eltern liest sich wie eine schlechte Kopie von Dallas und der Schwarzwald-Klinik. Zwar geht es nicht um Öl, Schwester Helga oder schlechte Föhnfrisuren, sondern eher um Politik, Familienbande und den Traum von einem besseren Leben.
Mein Vater, der meine Mutter seit seiner Kindheit schon kannte, war einer der wenigen Türken, die damals zum Studieren nach Deutschland gekommen sind. Meine Mutter hingegen war eine von vielen kleinen Türkinnen mit geflochtenen Zöpfchen, die händehaltend und mit großen Augen an irgendeinem Flughafen oder Bahnhof in Deutschland Ende der sechziger oder Anfang der siebziger Jahre in Deutschland mit ihren Eltern angekommen ist.
Zwischen Uni-Büchern, dem sechsten oder siebten Hochzeitstag meiner Eltern, Stundenzetteln und den Puppen meiner älteren Schwester, kam ich Anfang der Achtziger auf die Welt. Dies ist nun 23 Jahre her, eine Zeit, in der meine Mutter mich zu einem jungen, aufgeschlossenen und vor allem toleranten Kameruner-Bembel-Türken erzogen hat. Bevor ich weiter schreibe und euch noch à la Solino erzählen möchte, wie der erste Döner in das Frankfurter Gallusviertel gekommen ist, lass ich es bei dieser Version der Integrationsgeschichte meiner Eltern.
Verbesserungsvorschläge, Fragen und DVD-Collections von den „Hesselbachs“ bitte an die Redaktion schicken!
Sertan Aktunc
Ich heiße Sertan Aktunc, bin 24 Jahre alt und komme aus Frankfurt am Main. Geboren bin ich in Langen bei Offenbach. Mein Vater ist mit meinem Großvater 1970 nach Deutschland gezogen, um hier zu arbeiten und die Familie finanziell zu unterstützen. Mein Vater war schon acht Jahre in Deutschland, als ihm mein Großmutter das Foto von meiner Mutter zeigte und sagte, dass das seine zukünftige Frau werden würde. Damals hatte mein Vater kein Recht auf eine eigene Meinung, er akzeptierte dies und ging in die Türkei, um meine Mutter zu heiraten. Lange haben sie nicht gebraucht, um mich auf die Welt zu setzen. Danach haben sie dort angefangen, wo sie aufgehört hatten. Besser gesagt, hat mein Bruder nicht lange auf sich warten lassen, um sich zu präsentieren. Als ich sieben und mein Bruder Engin sechs waren, sind wir zurück in die Türkei, um dort in die Schule zu gehen. Wie sollten unser Türkisch verbessern. Dort lebten wir drei Jahre bei meinen Großeltern. Als wir beide alles gelernt hatten, was uns beigebracht werden sollte, hatten wir da nichts mehr zu tun. Seit 1990 leben wir wieder in Deutschland (Frankfurt am Main). Obwohl ich meine Heimat sehr selten besuche, fühle ich mich ihr sehr verbunden. ICH BIN FROH, EIN TÜRKE ZU SEIN. NE MUTLU TÜRKÜM DIYENE Das Wichtigste kommt zum Schluss. Ihr solltet wissen, das ich mein kleinsten Bruder, Serhat, über alles liebe. Er ist blind und kann nicht reden.
Anonym
Ich bin 24 Jahre alt und wurde in Eritrea geboren. Ich lebe seit 23 Jahren in Deutschland, Frankfurt/Main. Ich kam mit meiner Oma nach Deutschland, als ich ein Jahr alt war. Ich lebe jetzt aber mit meiner Mutter zusammen. Zu meinem Vater kann ich euch net viel erzählen, weil ich ihn net kenn. Ich weiß leider nicht viel darüber, wie und warum und was damals war. Ich weiß nur, dass meine Mutter mit 15 Jahren, nachdem sie die Schule fertig gemacht hatte, zum Militär musste. Sie wurde da “ausgebildet“ und musste für ein paar Monate mit in den Krieg ziehen. Ich habe keine Geschwister, meine Mutter hat aber eine große Familie. Sie hat noch zwei Schwestern und vier Brüder. Die jüngste ist 27 Jahre alt, sie war für mich wie eine Schwester, deswegen mach ich da keinen Unterschied, ob Schwester oder Tante.
So jetzt kommen wir zu mir! Also, ich habe meinen Realschulabschluss absolviert. Wollte immer mal Fußballstar werden, hab’s dann aber sein lassen, weil da so komische Menschen waren. Möchte sie hier aber nicht erwähnen!!!! Sehr viel kann ich euch nicht erzählen, bin selber auf der Suche nach mir selbst bzw. nach meinem “Ich“. Weiß nicht wirklich, wer ich bin und was ich will.
Engin Aktunc
Ich heiße Engin Aktunc. Ich wohne in der Hausener Obergasse in Frankfurt am Main. Ich bin 23 Jahre alt, bin in Deutschland geboren. Mein Vater arbeitet, seit er hier lebt, bei einer Hoch- und Tiefbaufirma. Meine Mutter ist Hausfrau. Ich habe noch zwei Geschwister, einen jüngeren und einen älteren Bruder. Sie sind auch hier geboren. Ich habe hier meinen Hauptschulabschluss gemacht. Seitdem habe ich nichts mehr gelernt bzw. gearbeitet. Ich bin ein arbeitsfauler Mensch. Ich spiele seit ca. 14 Jahren Fußball, verdiene ein bisschen Geld damit und lebe auch davon.
Mein Lieblingsessen ist iskender kebab und Spaghetti mit Knobi-Soße.
Meine Hobbys sind Fußball, Billard, Schwimmen.
Meine Musikrichtung ist Hip Hop, na ja, das war’s von mir......
Alessandro Cengiz
Ich heiße Alessandro Cengiz und bin zwei Jahre alt. Ich bin das jüngste Mitglied von Mixstory. Geboren bin ich in Frankfurt /Main wie meine Mama, die Italienerin ist. Mein Papa ist aber Türke und in Langen geboren. Da meine Eltern nicht verheiratet sind, habe ich die italienische Staatsangehörigkeit. Eigentlich heißt es in Deutschland, dass man deutsch durch Geburt wird, aber das ist nicht automatisch so. Es muss vorher überprüft werden, ob man die deutsche Staatsbürgerschaft bekommt. Erstmal hatte ich auch keine Mama, denn die italienischen Behörden verlangen von unverheirateten Müttern, dass sie ihr Kind anerkennen. Warum das so ist, konnte sie bis jetzt nicht in Erfahrung bringen. Wahrscheinlich will der italienische Staat mit seiner christlichen Tradition verhindern, dass es zu viele uneheliche Kinder gibt.