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  Veronika

rostov-na-donu Mein Name ist Veronika Kuznetsova (ins Deutsche übersetzt heiße ich Schmidt). Ich bin 24 Jahre alt, studiere an der FH Frankfurt/Main Soziale Arbeit und wohne in Bad Nauheim. Ich bin in Russland in Rostow am Don geboren und seit ich drei Monate jung wurde, reiste ich immer aus Russland nach Ukraine und wieder zurück, da meine Eltern in der Ukraine gearbeitet haben, aber meine Großeltern in Russland. Im September 1998 kamen meine Eltern und gezwungenermaßen ich aus der Ukraine (Konstantinovka/Donbass) nach Deutschland. Da wir als Kontingentflüchtlinge (jüdische Zuwanderer) hierher kamen, konnten weder meine Eltern noch ich deutsch. Der eine Grund zur Ausreise war für uns, dass meine Großeltern sechs Monate vorher hierhin kamen und später von meiner Mutter versorgt werden wollten. Der weitere Grund zur Ausreise war die ständig sich verschlechternde Wirtschaftssituation in beiden Ländern der ehemaligen Sowjetunion, was mich aber damals nicht konstantinovkawirklich beschäftigte. Die erste Zeit war sehr schwer, wir waren ständig auf irgendwelche neuen „Freunde“ und Bekannte angewiesen. Zum Glück bekam ich eine Erlaubnis, acht Monate lang die Inlingua-Privatsprachschule  zu besuchen, und da habe ich alle meine Deutschkenntnisse erworben. Danach im Gymnasium habe ich viele Freunde gefunden, die mich unterstützten und die nach Möglichkeit auch von mir unterstützt wurden. Damals entwickelte ich den Gedanken, Soziale Arbeit zu studieren, um anderen, die hierher aus verschiedenen Ländern anreisen, zu helfen, damit es denen besser geht als mir anfangs. Heute kann ich mit großem Stolz sagen, dass ich mich hier sicher fühle, sehr froh bin, dass meine Eltern damals die Entscheidung getroffen haben, hierher zu kommen. Ich bin seit einem Jahr bei der Flüchtlingshilfe Wetterau GgmbH als freiwillige Mitarbeiterin, und zusätzlich arbeite ich auf ehrenamtlicher Basis mit Kindern und Jugendlichen bei der DJR e.V.

  John

karatauIch werde oft John genannt, aber ich heiße Eugen. In Kasachstan, dem Land, von dem ich nach Deutschland gekommen und wo ich geboren bin, hieß ich noch Zhenya. Ich bin 22 Jahre, mach grade meine Fachoberschule, Richtung Maschinenbau-Ingenieur, zu Ende. Ich spiele Fußball beim SV Niederursel, spiele Gitarre, Fotografiere leidenschaftlich und engagiere mich ehrenamtlich bei der DJR e.V. als 1.Vorsitzender in der Jugendarbeit.

Ich bin mit neun mit meiner Familie nach Deutschland gekommen. „Zurück in der Heimat!", sagte meine Uroma, als sie aus dem Flugzeug ausstieg voller Tränen. Ich dachte in meinen Gedanken: „Heimat? Aber ich gehöre doch gar nicht hierher! Was soll das Ganze?" Ich musste mich halt mit dem Ganzen auseinandersetzen. Das war was ganz Neues für mich: ohne Freunde und ohne die Sprache zu kennen. Die erste Zeit habe ich mich mit Händen und Füßen verständigt - wie auch meine Eltern und meine Geschwister. Das Schlimme war, dass ich wieder in die Schule musste und noch kein Deutsch konnte außer Ja, Nein und meinen neuen Namen Eugen. Ich musste wieder in die 3. Klasse und hatte nur eine Kontakt Person (Susanna) die mir vor allem in der schule sehr geholfen hat. Die Zeit verging, und ich hab Freunde kennengelernt durch das Fußballspielen in den Schulpausen.

Ich hab wieder Freude gefunden und war froh, in Deutschland zu sein. Die Sprache hab ich auch schnell drauf gehabt und war sehr stolz auf mich, da ich der Erste aus der Familie war.

Seitdem musste ich immer meine Eltern ihn verschiedene Ämter begleiten, um für sie zu übersetzen und verschiedene Papiere auszufüllen. Ich glaube, ich bin jetzt sehr gut integriert in die deutsche Gesellschaft und finde es schön, hier leben zu können.

  Nicole

Ich heiße Nicole, bin 31 Jahre und in Frankfurt am Main geboren. Mein Vater ist vor 50 Jahren von bild_nicoleStettin nach Deutschland gekommen. Hat in Deutschland meine Mutter kennengelernt und geheiratet. Ich habe noch vier Geschwister, die alle wie ich in Deutschland geboren sind. Bin zwar in Frankfurt zur Welt gekommen, habe aber bis zu meinem neunten Lebensjahr in der Pfalz gelebt. Meine Eltern hatten dort ein Hotel und Restaurante eröffnet, daher sind wir dort hingezogen.



Nachdem wir zurück nach Frankfurt am Main gezogen waren, hatte ich am Anfang  mit meinem Dialekt in der Schule und im Freundeskreis Probleme, weil mich keiner verstand und mich jedes Mal fragte, was ich für eine Sprache spreche. Ich ihnen natürlich antwortete: „Deutsch!", und habe mir gedacht: „Oh Mann, wieso verstehen die mich nicht?" Mit der Zeit habe ich auch bemerkt, dass es an meinem pfälzerischen Dialekt lag, den ich irgendwann auch wieder abgelegt und mir das Hessische angewöhnt habe. Aber so richtig hessisch spreche ich heute nicht mehr, eher hochdeutsch.

wappen Vieles von meinem Vater und meiner Herkunft kann ich nicht sagen, da meine Eltern, als ich neun Jahre war, sich haben scheiden lassen, und ich nicht viel von meinem Vater weiß, weil der Kontakt nicht mehr da war. Erst als ich 18 wurde, hat sich der Kontakt zu meinem Vater wieder etwas stabilisiert. Bin in meiner Jugend sehr schnell selbständig geworden, da ich auf meine jüngeren Geschwister aufpassen musste, weil meine Mutter Alleinerziehende war und arbeiten musste. Bin auch relativ früh von zu Hause ausgezogen, habe meine Schule beendet. Habe aber keine Ausbildung gemacht, weil es auch damals schon sehr schwierig war, eine Lehrstelle zu finden.

Daher arbeitete ich schon sehr früh direkt nach meinem Schulabschluss. Zur Zeit bin ich leider arbeitslos, weil mein letzter Arbeitsgeber in die Insolvenz gegangen ist. 

Würde gerne eine Ausbildung als Altenpflegerin machen da solche sozialen Berufe schon immer mein Ding waren. Bin seit über zehn Jahren bei dem Jugendclub Saz-Rock dabei. Durch diesen Verein bin ich auch zum Projekt Mixstory gekommen. Bin bei diesem Projekt von Anfang an dabei, und es macht sehr viel Spaß.

  Juri

Am 4 August 2001 kam ich in Frankfurt am Main an und wurde gleich nach Friedland gefahren. Da sollten sich alle Aussiedler gleich nach der Anreise anmelden, und man bekam eine Zuweisung, in welchem Bundesland man sich neu einpflanzen sollte. Nach ein paar Tagen war ich schon in ein Übergangswohnheim eingezogen. Das war für mich eine ganz neue Welt: Eine neue Stadt, keine Freunde, einige Verwandte und meine Deutschgrundkenntnisse.

Dann ging es los mit Besuchen  aller möglichen Ämter und Behörden. Zum Glück hatten unsere Verwandten, die schon seit 1991 da waren, uns geholfen, sonst.... , keine Ahnung. Nach dem Besuch des Schulamtes bin ich in der Schule gelandet. Dort bin ich "Russe" geworden. Es war für mich erstaunlich: In Kasachstan war ich Deutscher, und in Deutschland bin ich plötzlich Russe. Das war für mich sehr ungewöhnlich, Menschen in Völkergruppen zu teilen: Russen, Afghanen, Türken, Marokkaner etc. - wie es von den anderen Mitschülern und Lehrern gemacht wurde.

Dank meiner Deutschgrundkentnisse und meiner strengen Deutschlehrerin konnte ich schon nach einem halben Jahr nicht nur verstehen, sondern mich auch äußern. In dieser Schule absolvierte ich in einer zweijährigen AIBE-Klasse meinen zweiten Hauptschulabschluss - einen hatte ich bereits aus Kasachstan. Zwei Jahre später, schon in einer anderen Schule, absolvierte ich meinen zweiten Realschulabschluss. Also, vier Jahre ohne Fortschritte - außer in der deutschen Sprache. Dann ging es endlich los in Richtung vernünftige Zukunft. Jetzt bin ich gelernter Maschinenbau-technischer Assistent und mache zur Zeit mein Fachabi, Schwerpunkt Maschinenbau.

Zu meinen Hobbys in Deutschland: 2. Vorsitzender im Migrantenverein "Deutsche Jugend aus Russland e.V." (DJR): bei der Landesgruppe Hessen und in der  Kreisgruppe Frankfurt am Main; Inhaber der Ehrenamtskarte in Frankfurt am Main. Fotografiere sehr gerne und spiele Gitarre in einer Rockband.

 Hiep Nguyen

halong47Ich heiße Hiep und bin 1983 in Hanoi (Vietnam) geboren. Im Januar 1992 kam ich mit meiner Mutter und meiner älteren Schwester nach Deutschland. Die ersten Jahre wohnten wir in Ludwigshafen. Seit drei Jahren lebe ich jetzt in Frankfurt. Mein Vater kam schon 1987 als Gastarbeiter nach Eisenach in der damaligen DDR. Nachdem er 1990 in Westdeutschland Asyl beantragt hatte, durfte er uns im Rahmen der Familienzusammenführung herholen.

Ich hatte als Kind schon Schwierigkeiten, mich in Deutschland einzuleben. Als ein Ausländer wurde ich ausgegrenzt. Zum einen sprach ich nicht so gut Deutsch und zum anderen sehe ich auch anders aus. Schlägereien in der Grundschule gab es bei mir jeden Monat. Abgesehen von den verbalen Angriffen anderer Schüler. Nach der Grundschule ging es dann bergauf. Ich beherrschte die Sprache, und die Mitschüler sind toleranter geworden. Ich habe mich jetzt in Deutschland so eingelebt, dass ich mir nicht mehr vorstellen kann, in einem anderen Land zu leben. Mittlerweile habe ich schon mein Fachabitur geschafft und werde bald eine Fachhochschule besuchen. Meine Familie ist trotz ihrer geringen Sprachkenntnisse berufstätig. Beide sind selbständig und fühlen sich sehr wohl bei ihrer Tätigkeit.

 Wais

Ich heiße Wais, bin 18 Jahre und aus Afghanistan. Ich bin in Kabul geboren, aber in Deutschland aufgewachsen. Ich lebe schon seit meinem zweiten Lebensjahr hier. Warum sind hier her umgezogen? Der Grund dafür ist, dass meine Eltern für mich in Afghanistan keine Zukunft sahen.

Soweit ich mich erinnern kann, war ich von Anfang an mit ausländischen Jungs und Mädchen zusammen. Dadurch habe ich viele Kulturen kennengelernt. Natürlich habe ich auch viele deutsche Freunde. Da ich sehr schnell in Deutschland integriert worden bin, fühle ich mich in Deutschland zu Hause. Ich ging hier zur Schule, und mittlerweile habe ich in Frankfurt a. Main mein Fachabitur geschafft. Ich hab mir vorgenommen, in Gießen mein Studium in Fachrichtung Maschinenbau zu machen.

Heute bin ich froh, dass meine Eltern  sich so entschieden haben. Jedoch kann ich mir auch kein Leben in Afghanistan vorstellen. Ich bin dankbar, dass meine Eltern ihre Arbeit in Afghanistan aufgegeben haben, damit ich in Deutschland ein besseres Leben führen kann. Es ist bestimmt nicht leicht für sie, hier zu leben, da sie auch der deutschen Sprache nicht wirklich mächtig sind. Im Moment ist es so, dass mein Bruder die amtlichen Dinge erledigt, teilweise auch ich. Aber ansonsten kommen sie ganz gut klar.


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