Meine Eltern kamen 1969 aus Adana im Süden der Türkei nach Deutschland. Sie hatten in Usingen im Hochtaunuskreis Arbeit bekommen: meine Mutter als Kranken-schwester, mein Vater in einer Pelzfirma. Ich habe sechs ältere Geschwister, die alle in Deutschland geboren sind und heute im ganzen Land verteilt sind. Mein Bruder ist heute wieder in der Türkei. Zu Hause haben wir überwiegend deutsch gesprochen. Türkisch habe ich erst mit 6 Jahren gelernt, als mein Vater wegen einer anderen Frau, einer Deutschen, unsere Familie verließ. In dieser Zeit sind wir dann auch öfter in die Türkei gefahren. Und zwar nach Adana, weil dort die Familie meiner Mutter lebt. Ich hatte immer deutsche und ausländische Freunde, in der Schule hatten Deutsche und Ausländer aber meist getrennte Freundeskreise.
Insgesamt war es in der Schule trotzdem okay. Nur wenn es Stress gab, waren es meist „die Ausländer“, die schuld waren, weil wir immer zusammengehalten haben. Wenn wir in der Türkei waren, war ich für die Türken ein Bonzenkind, das aus der Türkei abgehauen ist und kein richtiger Moslem ist. Meine Sprache war anders, meine Kleidung, mein Aussehen, mein ganzes Verhalten. Außerdem hatte ich ein Piercing am Ohr. Dabei habe ich nicht einmal einen deutschen Pass.
Otto
Ich heiße Otto und bin 22 Jahre alt. Als ich 1995 nach Deutschland kam, konnte ich sehr wenig deutsch. Es war ein bisschen schwierig für mich in Deutschland. In der Schule haben mir die Mitschüler sehr geholfen, mich zurechtzufinden. Als ich in Russland war, wurde ich oft als Nazi bezeichnet, weil ich in Russland ein Deutscher war, und in Deutschland nannten sie mich einen Russen.
Ich fühlte mich damals keinem Land zugehörig. Meine Eltern haben sich entschieden, nach Deutschland zu fahren. Sie wollten mir und meiner Schwester ein besseres Leben bieten, als sie selbst es hatten. Das Leben in Russland war ein bisschen schwierig: schlechte Arbeitsverhältnisse, schlechte Bezahlung und alles, was man zum Leben brauchte, war sehr teuer. Ich finde es gut, dass meine Eltern hierher gekommen sind. Hier gibt es bessere Arbeit und eine bessere Ausbildung als in Russland. Aber ich musste meine ganzen Freunde in Russland zurücklassen.
Andreas
Ich heiße Andreas, bin 19 und bin seit zwei Jahren in Deutschland. Als ich in Kasachstan war, nannten sie mich „Nemez“, dies bedeutet Deutscher. Jetzt, wo ich hier lebe, nennen sie mich „Russe“. Was soll das?! Ich bin nach Deutschland umgezogen, weil meine Oma viele Geschwister hat, die in Deutschland leben. Deshalb wollte sie hierher. Wir sind als ganze Familie nach Deutschland gefahren. Als ich vor zwei Jahren hier ankam, konnte ich kein Wort deutsch und konnte natürlich nicht verstehen, was die Leute sagten. Für mich war das ein großes Problem. Dazu kommt noch ein weiteres Problemchen: Ich wusste nicht, wohin ich gehen konnte, um etwas für meine Zukunft zu tun. Es gibt zwar viele Möglichkeiten, aber da ich kein Deutsch sprach und verstand, wusste ich nicht, wohin?! Jetzt, da ich einen Sprachkurs abgeschlossen habe, versuche ich einen Ausbildungsplatz als Fachinformatiker oder Webdesigner zu finden.
Patricia
Ich bin Patricia (23) und komme aus Italien. Geboren bin ich in Frankfurt am Main. Meine Eltern sind Mitte der 70er Jahre unabhängig voneinander nach Deutschland gekommen. Sie lernten sich hier kennen, haben geheiratet und meine Schwester und mich bekommen. Wir sind, obwohl wir hier aufgewachsen und von unseren deutschen Freunden sehr beeinflusst worden sind, in manchen Dingen typisch italienisch wie z.B. sehr temperamentvoll, hilfsbereit, aufgeschlossen, kochen und essen gerne.
Carmela
Ich bin Carmela (21), die Schwester von Patricia, und bin ebenfalls hier geboren. Unsere Mutter pendelte seit ihrer Kindheit zwischen Italien und Deutschland, unser Vater kam hierher, um zu arbeiten. Er fing als Pizzabäcker in einer Pizzeria an. Ich fühle mich in Deutschland sehr wohl und kann mir nicht vorstellen, jemals nach Italien zu ziehen, auch nicht im Ruhestand! Ich komme mit allen gut zurecht, egal aus welchen Ländern sie kommen.