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Die Tschechen und die Slowaken gehörten in Europa zu den Nationen, die über Jahrhunderte unter fremder Herrschaft lebten - seit 1620 unter den Habsburgern in der österreichisch-ungarischen Monarchie. Der 1. Weltkrieg endete 1918 mit der Niederlage Deutschlands und seiner Verbündeten Der österreichisch-ungarische Vielvölkerstaat wurde zerschlagen. Tschechen und Slowaken riefen im Oktober 1918 gemeinsam die Tschechoslowakische Republik (CSR) aus.

Auf diesem Staatsgebiet lebten nicht nur Tschechen und Slowaken, sondern auch Ungarn, Polen, Ukrainer und Deutsche. Die Deutschen stellten mit 3,2 von 15 Millionen Einwohnern über 20 Prozent der Bevölkerung; im Sudetenland, dem tschechischen Grenzgebiet zu Deutschland und Österreich, sogar die Bevölkerungsmehrheit. Die Sudetendeutschen hatten gehofft, nach Ende des Krieges an das Deutsche Reich bzw. Österreich angegliedert zu werden. Aber die Friedenskonferenz der Siegermächte in St. Germain im September 1919 folgte im Wesentlichen den tschechoslowakischen Vorschlägen: Eine Abtrennung der von Deutschen bewohnten Gebiete hätte bedeutet, dass der neue Staat wirtschaftlich nicht lebensfähig gewesen wäre - die sudetendeutschen, deutsch-böhmischen und deutsch-mährischen Gebiete blieben daher Bestandteil der tschechoslowakischen Republik.

Die neue Verfassung war zwar demokratisch-parlamentarisch, aber zentralistisch organisiert. Dies bedeutete, dass ein föderatives und kommunales Selbstbestimmungsrecht - oder ein kantonales wie in der Schweiz - nicht vorgesehen war. Dies hätte den Minderheiten ein gewisses Maß an Eigenständigkeit zugestanden. Die Deutschen stellten ein Viertel der ersten tschechoslowakischen Nationalversammlung Die meisten ihrer Parteien und vor allem die große Gemeinschaft in Prag verhielt sich loyal gegenüber dem neuen Staat. Lediglich die „Deutsche Nationalpartei" und die „Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei" in der Tschechoslowakei verharrten als „Negativisten" in grundsätzlicher Opposition zur jungen Republik.

Mit der Machtübernahme Hitlers in Deutschland 1933 nahm die Agitation der deutsch-nationalistischen Parteien in der CSR zu. 1935 wurde die Sudetendeutsche Partei, Nachfolgepartei der beiden oben genannten nach deren Verbot, in der gesamten CSR die zweitstärkste Partei. Deren Führer Konrad Henlein traf sich mehrmals mit Hitler in Berlin und bereitete die spätere Annexion der Tschechoslowakei vor. Nachdem das Deutsche Reich im März 1938 den „Anschluss Österreichs" an „Großdeutschland" erzwungen hatte, bereitete Hitler den Angriff auf die „böhmische Zitadelle" - sprich die Tschechoslowakei - vor. Die Befürchtungen Großbritanniens und Frankreichs, in einen militärischen Konflikt verwickelt zu werden, führte dazu, dass sie ihren Verbündeten CSR fallen ließen:

Im „Münchner Abkommen" vom September 1938 einigten sich Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien - ohne jede Beteiligung der CSR - darauf, dass alle Gebiete mit mehr als 50 Prozent deutscher Bevölkerung bis zum 1. Oktober 1938 dem Deutschen Reich angegliedert werden sollten. Im März 1939 erklärte sich die Slowakei nach Erpressungen und Zugeständnissen als „Schutzstaat des Deutschen Reiches" und trat aus dem tschechoslowakischen Staatsverband aus. Gleichzeitig besetzte Ungarn in Absprache mit Hitler die Karpato-Ukraine im südöstlichen Teil der CSR. Im April 1939 überquerten deutsche Panzer schließlich die Grenze von Rest-Tschechien.

Es begann eine Zeit der unermesslichen Unterdrückung und Verfolgung von Menschen insbesondere jüdischer Abstammung. Jüdische Kinder wurden von den Schulen ausgeschlossen, und Erwachsene mussten ihre Berufe aufgeben. Der Besuch von Theater, Kino, Restaurants, die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, das Betreten von Parks usw. wurde verboten. Juden durften nur in bestimmten Läden und nur zu bestimmten Zeiten einkaufen. Eine Reihe von Lebensmitteln und anderen Produkten durfte ihnen überhaupt nicht verkauft werden.

Und in diesem Zusammenhang erscheint der Name Theresienstadt: auf dem Plan Deutschlands zur Vernichtung der europäischen Juden.