Der jüdische Kalender ergänzt das im Vergleich zum Sonnenjahr kürzere Mondjahr durch Schaltjahre mit 13 Monaten. Die einzelnen Feiertage werden so immer in der gleichen Jahreszeit begangen, doch die konkreten Tage ändern sich von Jahr zu Jahr.
Pessachfest
Das Pessach wird im jüdischen Frühlingsmonat Nisan (Beginn zwischen Mitte März und Mitte April), zur Zeit der ersten Gerstenernte gefeiert. Es erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten, die Flucht vor Unterdrückung und Sklaverei. Das Pessachfest ist ein Fest der Freiheit. Pessach bedeutet „hinwegschreiten, „verschonen".
Während des einwöchigen Festes dürfen sich keine gesäuerten Speisen im Haus befinden. Die ungesäuerten Speisen symbolisieren die Hast, mit der die Israeliten Ägypten verließen. In der gesamten Zeit des Pessachfestes werden Matzen, ungesäuerte Brotfladen, gegessen. Für die Zubereitung der Matzen gibt es genaue Vorschriften, denn vom Anrühren des Mehls bis zur fertigen Mazza dürfen nicht mehr als 18 Minuten verstreichen. In einem jüdischen Haushalt darf unter keinen Umständen irgendetwas vorhanden sein geschweige denn auf den Tisch kommen, das auch nur im Geringsten gären oder säuern könnte.
Schawuot
Schawuot ist eines der drei Wallfahrtsfeste und genau wie Pessach wurde dieses Fest zur Zeit der beiden Tempel mit einer Pilgerfahrt nach Jerusalem und Opfern im Tempel begangen.
Kinder in weißer Kleidung mit Kränzen und Zweigen in den Händen ziehen durch die Stadt. Die Häuser werden mit Girlanden geschmückt. Schawuot wird am 50. Tag nach Pessach gefeiert.
Hintergrund von Schawuot ist die Herausführung der Juden aus Ägypten und der Empfang der zehn Gebote. Schawuot ist das „Fest der Toragebung" und Erntedankfest.
Chanukka
Das Chanukka-Fest findet vom 25. Kislew bis zum 2. Tevet statt, diese Monate beginnen im November oder Dezember, es dauert acht Tage. Das Wort Chanukka (hebr. חנוכה Weihefest) bedeutet „Neueinweihung, Wiedereröffnung" und erinnert an die Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels im Jahr 165 v. Chr. Entweiht wurde der Tempel in Jerusalem während der Zeit der Judenverfolgung durch König Antiochus IV. Epiphanes, der den Juden die Ausübung ihres Glaubens verboten hat.
Während des sogenannten Makkabäeraufstands eroberte Judas Makkabäus den Tempel zurück. Der missbrauchte Tempel wurde gereinigt, von den griechischen Götzen befreit und schließlich neu geweiht. Damals war jedoch nur noch eine winzige Menge geweihtes Öl übrig, das gerade gereicht hätte, den Tempel einen Tag zu erleuchten. Doch durch ein Wunder reichte das wenige Öl, um den Tempel für acht Tage zu erleuchten.
Der heutige Chanukka-Leuchter hat acht Arme, die symbolisch für diese 8 Tage, die das Licht im Tempel brannte, stehen. Die Kerzen dieses Leuchters dürfen nur zu Chanukka entzündet werden. Dazu benötigt man eine Hilfskerze, den sogenannten Schamasch (Diener), der seinen eigenen Platz auf dem Chanukka-Leuchter hat, meist in der Mitte. Nach Sonnenuntergang werden die Kerzen unter Segenssprüchen entzündet und jeden Abend leuchtet eine mehr, bis zum Schluss alle acht Kerzen entzündet sind. Die Chanukkalichter dürfen nicht für praktische Zwecke genutzt werden, wie z.B. zum Beleuchten des Zimmers, zum Lesen oder zum Anzünden einer Zigarette.
Während der acht Tage müssen die Kinder zur Schule und die Erwachsenen zur Arbeit. Aber am Abend versammelt sich die ganze Familie. Dabei werden Gebete gesprochen, Lieder gesungen und die Chanukka-Geschichte erzählt. Für die Kinder gibt es Geschenke und der Tisch ist zu Chanukka reichlich gedeckt. Besonders Ölspeisen wie Krapfen* oder Latkes** sind sehr beliebt, denn sie sollen an das Wunder des brennenden Öles erinnern.
*Krapfen: sind kleine süße oder salzige Gebäckstücke, oft mit Füllung, die in heißem Fett (Schmalz oder Pflanzenöl) frittiert werden.
**Latkes: sind kleine, frittierte Kartoffelpuffer, die in der jüdischen Küche als Beilagen zu Mahlzeiten serviert werden.
Andere wichtige jüdischen Feste sind:
- Rosch haschana (hebr. ראש השנה Neujahrsfest, 1./2. Tischri)
- Jom Kippur (hebr. יום כיפור Versöhnungstag, 10. Tischri)
- Sukkot (hebr. סוכות Laubhüttenfest, 15. - 23. Tischri)
- Schmini Azeret (hebr. שמיני עצרת der achte Festtag, 22. Tischri)
- Simchat Tora (hebr. שמחת תורה Torafreude, 23. Tischri)
- Purim (hebr. פורים Fest der Lose, 14. oder 15. Adar)
- Tu biSchevat (hebr. ראש השנה לאילנות Neujahrsfest der Bäume, 15. Schevat)