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Jugendgewalt Drucken
Dezember 2007: Der Fall geht in ganz Deutschland wochenlang durch die Medien - und wird von Wahlkämpfern ausgeschlachtet. Ein 17- und ein 20-Jähriger mit Migrationshintergrund treten in einer Münchner U-Bahn-Station einen pensionierten Schulrektor fast tot.

Der von einer Überwachungskamera dokumentierte Gewaltexzess löst vor der Landtagswahl in Hessen eine heftige Debatte über Jugend- und Ausländerkriminalität aus. In München wirbt der CSU-Kandidat für das Oberbürgermeisteramt mit einem Wahlplakat, das Standbilder des Überfalls zeigte, für ein schärferes Jugendstrafrecht.März 2009: In Winnenden in der Nähe von Stuttgart läuft ein 17jähriger Amok, erschießt in seiner ehemaligen Schule und bei der anschließenden Flucht 15 Menschen und sich selbst. Außerdem verletzt er 11 weitere Menschen. Der Täter kommt aus einem gutsituierten deutschen Elternhaus, gilt als psychisch krank.

September 2009: In München wird ein 50jähriger Mann von 2 Jugendlichen zu Tode getreten, der sich schützend vor eine Gruppe von Kindern gestellt haben soll. Die Jugendkriminalität ist in München zum 2. Mal binnen 2 Jahren für Wochen Top-Thema Nummer 1. in den Medien. Ein Beispiel für die Reaktion der rechten Ecke:

„Währenddessen hat die Presse nichts besseres zu tun als zu vertuschen. ‚Jugendliche' heißt es überall. Wären es ‚Rechte', also Deutsche, gewesen, wäre dies auf allen Titelseiten. Man kann daher getrost davon ausgehen, dass es sich um Ausländer handelt. Die CSU jedenfalls wittert bereits ihre Chance normal empfindende Wähler zu verführen und ruft nach einer früheren Anwendung des Erwachsenenstrafrechts. Doch was ändert dies? Erst wenn der Abschaum aus unseren Städten verbannt ist und das letzte Rückführungsflugzeug gestartet ist, haben wir Ruhe. Nicht vorher und nicht jetzt!"

Kurz später wird bekannt, dass die beiden Jugendlichen „vorbestraft, arbeits- und berufslos und deutsche Staatsbürger ohne Migrationshintergrund" sind.

Oktober 2009: Drei Mädchen treten in der U-Bahn in Frankfurt einen 51 Jahre alten Mann krankenhausreif. Er hat eines der Mädchen, die miteinander stritten, am Arm gepackt. Darauf rasten die drei Teenager, zwei Cousinen und ihre Freundin, aus.

Ein 17-jähriges Mädchen stammt aus einer türkischen Familie in Heidelberg. Die anderen, 17 und 19 Jahre alte Deutsche, sind Cousinen, stammen aus Frankfurt.

Februar 2010: Florin K., der 23 Jährige Nachahmungstäter läuft in einer Berufsschule in Ludwigshafen Amok. Psychische Probleme, sollen der Grund für eine Messerattacke sein, bei der sein ehemaliger Lehrer stirbt.

Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, welche der angeblich höheren Gewaltbereitschaft der Jugendlichen mit Migrationshintergrund widersprechen: Eine Studie des Kriminologischen blutig Forschungsinstituts im Auftrag des Bundesinnenministers ergab, dass diese „ausländischen" Jugendlichen zwar ein großes „Problem" seien, weil sie "häufiger Gewalttaten" als deutsche Jugendliche begehen. „Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass schlechte Bildungschancen und eine schlechte schulische Integration die Gewaltrate erhöhen. Gewalt ist ein soziales Problem und sie folgt klar definierbaren Belastungsfaktoren."

Die Unterschiede zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen "gleichen sich vollständig aus, wenn man differenzierter vergleicht", sagt Christian Pfeiffer, der Leiter der Studie. So zeigten Jugendliche unterschiedlicher Herkunft mit denselben familiären, schulischen und sozialen Rahmenbedingungen und einer übereinstimmenden Werteorientierung eine vergleichbare Gewaltbereitschaft. Anders ausgedrückt bedeutet dies laut Pfeiffer: "Je besser Immigranten bildungsmäßig integriert sind, desto geringer ist die Gewaltrate." Hier müssten die gesellschaftlichen Bemühungen ansetzen!

Mehr dazu in einem Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung:

http://www1.bpb.de/publikationen/HTD7VE,0,Ausl%E4nderkriminalit%E4t.html

Fazit: Man darf nicht alle in eine Schublade stecken, nicht alle Migranten, genau so wenig wie alle Deutschen mit sozial schwachem Hintergrund sind kriminell! Viel eher sollten wir mehr für unsere Jugend, Bildung, Aufklärung und Prävention tun. Vor allem aber sollten wir gemeinsam einen besseren Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft anstreben.

Gewalt und Jugendkriminalität sind nicht von vornherein geschlechtsspezifisch; sie haben genauso wenig zwingend einen „Migrationshintergrund" wie eine Abhängigkeit von der Zugehörigkeit zu einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht.

Sie haben aber immer gesellschaftliche Ursachen. Und auf Abschaffung dieser Ursachen durch Verbesserung der wirtschaftlichen, sozialen und persönlichen Verhältnisse kommt es an. Da hilft kein Wegsperren, Abschieben, Psychiatrisieren. Auch nicht in Zeiten des Wahlkampfes.

koch
 

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