Krakau (polnisch: Kraków) liegt an der oberen Weichsel im südlichen Teil Polens, rund 250 km südlich der Hauptstadt Warschau. Krakau ist Universitätsstadt und Industrie-, Wissenschafts- sowie Kulturzentrum des südlichen Landesteils. Eine Vielzahl an prächtigen Bauwerken aus früheren Jahrhunderten prägt das Bild der Altstadt, die bis 1596 Hauptstadt von Polen war. Noch heute gilt die drittgrößte Stadt des Landes als heimliche Hauptstadt Polens.
Während der Regierungszeit von König Kazimierz III. kamen nach den Pestpogromen von 1348-49 (die Christen machten die Juden für die Pestepidemien verantwortlich und misshandelten und töteten Tausende) besonders viele Juden nach Polen und Krakau, da sie hier Privilegien erhielten und ihnen Religionsfreiheit gewährt wurde. Entgegen einem weitverbreiteten Irrtum siedelten die Juden zunächst nicht in Kazimierz, sondern im heutigen Universitätsviertel von Krakau.
Kazimierz - Das jüdische Viertel von Krakau
Der heutige Krakauer Stadtteil Kazimierz (Kasimir) wurde im 13. Jahrhundert von christlichen Siedlern gegründet und war viele Jahrhunderte lang eine selbständige Stadt. Bereits im 15. Jahrhundert wurden dann die Krakauer Juden, die zuvor überall in der Stadt verteilt lebten, nach Kazimierz umgesiedelt, so dass es dort bereits früh einen hohen jüdischen Bevölkerungsanteil gab. Das jüdische Viertel von Kazimierz lag damals als eine Art Insel zwischen verschiedenen Armen der Weichsel. Später wurde jedoch das Flussbett verlegt.
Nach dem Überfall Polens durch die deutsche Wehrmacht wurden im März 1941 die 75.000 Juden von Kazimierz in Lager deportiert und zum Teil in das neuerrichtete Ghetto Podgórze zwangsumgesiedelt, wo dann etwa 16.000 Juden lebten. Die meisten davon wurden ins nahe gelegene Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort umgebracht.
Nach dem Krieg wurden die ehemals von Juden bewohnten Häuser und Wohnungen von Polen besetzt, so dass es auch für die wenigen überlebenden Juden unmöglich war, dorthin zurückzukehren.
Heute ist das ehemalige jüdische Viertel weitgehend saniert und zu einem Anziehungspunkt für Besucher geworden, insbesondere seitdem dort 1993 der Film „Schindlers Liste" gedreht wurde. Die zentrale Straße der Juden im Viertel Kazimierz heißt Szeroka, alleine dort stehen noch heute zwei Synagogen. Die Reste des ehemaligen Ghettos sowie Teile der Mauer und die Ghetto-Apotheke befinden sich dagegen südlich der Weichsel im Stadtteil Podgórze. Dort befindet sich auch die ehemalige Fabrik Oskar Schindlers.
Heute leben in der Stadt nur noch etwa 170 praktizierende Juden, während es vor dem 2. Weltkrieg 75.000 waren, damals ein Viertel der Bevölkerung. Das Jüdische Zentrum nimmt deshalb an, dass es bald keine Juden mehr in Krakau geben wird.