Im hessischen Landtagswahlkampf 2008 wurde das Thema
Integrationspolitik besonders kontrovers diskutiert. Ministerpräsident Roland
Koch (CDU) setzte den Schwerpunkt auf den Umgang mit kriminellen jungen
Migranten. Gefordert wurden schnellere
Abschiebung und härtere Strafen. Andere kritisierten dies scharf und hoben
hervor, dass Kriminalität soziale Ursachen habe und nicht allein das Problem
von Ausländern sei. Wichtiger als härtere Strafen seien eine berufliche
Zukunftsperspektive und eine bessere Bildung.
Wir wollen wissen, wie diese Diskussion bei euch ankam, d.h.
Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die einen sogenannten
„Migrationshintergrund" haben.
Geschrieben von: T. aus Frankfurt (Gast ) am 12-02-2008 17:43
Robin Hood, Robin Hood, reitet durch die Lande…
Was bleibt vielen Jungs (und auch einigen Mädels) anderes übrig als die Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums (= „Kriminalität“) - angesichts ihrer Lebensbedingungen und –chancen. Täglich werden sie von TV und Werbung mit einem Wust von Lebensidealen („Mein Haus, mein Auto, mein Boot“) bombardiert, de facto aber sind sie durch ein selektierendes Schulsystem und die Erfordernisse des Arbeitsmarkt zu billigen Sklaven verurteilt. Da ist Kriminalität für sie ein lohnender Ausweg. Ich bin jetzt schon sehr lange als „Servicekraft“ für MigrantInnen tätig. Das Wichtigste, was ich ihnen raten kann, ist: 1. Lasst Euch nicht erwischen und 2. sagt nichts ohne Euren Anwalt! Was mir bei meinen Schützlingen manchmal auf die Nerven geht, ist das Abrippen ärmerer Teile der Bevölkerung und das gegenseitige Beklauen. Deshalb noch ein wichtiger Tipp (der eigentlich schon seit den Zeiten Robin Hoods allgemein bekannt sein dürfte): 3. Bei den Reichen ist einfach mehr zu holen!
Geschrieben von: Patricia (Gast ) am 09-02-2008 16:44
Die Frage ist: Will man kriminell gewordenen Jugendlichen nicht helfen, oder wollen sie sich nicht helfen lassen? An wen kann man sich wenden? Wie kann man etwas verbessern? Welche Möglichkeiten bleiben einem, wenn man schon aktenkundig geworden ist? Wie kommt man aus diesem Teufelskreis heraus??? Es besteht Einigkeit im ganzen Land, dass sich etwas ändern muss. Fragt sich nur, was. Kann man schon etwas tun, bevor es überhaupt dazu kommt, dass es ausartet?
Bei vielen Jugendlichen fängt die Problematik schon in der Pubertät an. Geplatzte Träume, Stress in der Schule, Stress mit den Eltern, keine Zukunftsperspektiven … All das und noch mehr können ein Grund dafür sein, warum Jugendliche auf die falsche Bahn geraten. Was dann?
Jugendliche in solchen Situationen werden eindeutig zu wenig unterstützt. Oder sie wissen einfach nicht, wie ihnen geholfen werden kann. Der leichteste Weg für sie scheint es, kriminell zu werden, ohne über die möglicherweise langfristigen Konsequenzen nachzudenken. Dann ist es manchmal zu spät, und sie haben sich die Zukunft verbockt. Der Eintrag bleibt nicht nur in der Akte, sondern haftet den Jugendlichen wie eine schleimige Spur an und bleibt als negativer Beigeschmack in der ganzen Zukunft erhalten. Dass sich Jugendliche durch große Fehler die Zukunft erschweren und wir (die Gesellschaft) das zulässt, zeigt, dass wir ein riesiges Problem haben.
Erziehungs-Camps, Anti-Gewalt- oder Anti-Aggressions-Trainings können sicher dabei helfen, sich mit dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen und bessere Lösungswege für die eigenen Probleme zu finden. Aber wenn man dann zurück im normalen Alltag ist, dann sind da wieder die gleichen alten Probleme: der Stress mit den Eltern, Schulden, geplatzte Träume – alles das ist noch da. Freunde können einen da oft nicht wirklich unterstützen. Eigentlich bräuchte man dann jemand, der sich auskennt und der einem wirklich helfen kann, neue und bessere Lösungen zu finden.
Wichtig ist aber, dass man nicht – wie z.B. bei Bewährungshelfern – zwei Wochen auf einen Termin warten muss. Denn in der Zwischenzeit kommt man doch immer wieder nur auf die gleichen, alten und oft nicht legalen Lösungswege.
Geschrieben von: Eugen (Gast ) am 09-02-2008 16:30
Nachdem Koch das Thema in den Medien hochgepusht hat, ist die Kriminalität in Deutschland scheinbar noch mehr gestiegen. Meiner Meinung nach war sie aber bis zu diesem Zeitpunkt einfach nur unsichtbar für den größten Teil der Gesellschaft. Ich hab noch nie so viele FETT gedruckte Berichte in der Zeitung gelesen, die nur um die Jugendkriminalität gingen. Sogar ein paar alte Freunde hab ich in der Zeitung wiedergesehen, sie waren auf einem der vielen Fotos. Sie wurden kriminell durch die Umgebung, in der sie wohnen, denn das ist nicht grade die schönste Welt, die man sich vorstellen kann. Es leben ungefähr 20, vielleicht aber noch mehr verschiedene Nationalitäten in einer Siedlung, wo sich nachts kaum einer nach draußen traut, da er Angst hat, ausgeraubt oder verprügelt zu werden. Ich bin selber dort aufgewachsen und bin dann von dort weggezogen, da meine Eltern keine Lust mehr auf diese Umgebung hatten. Dort gab es viel Kriminalität, die Jugendlichen hingen auf der Straße rum, wenn Frauen vorbeigingen, wurden sie angemacht, anderen wurden Schimpfworte hinterher gerufen. Die meisten dort waren arbeitslos, hatten nichts zu tun, hatten keinen Schulabschluss und wenig Aussicht darauf, mal einen guten Job zu kriegen. Wenn sie Geld brauchten, haben sie was geklaut und dann verkauft oder sie haben Leute „abgezockt“, also ausgeraubt. Deshalb hab ich mich auch nicht gewundert, als ich die alten Freunde dort gesehen habe, denn in der Siedlung ist jeder Zweite kriminell. Mann isst da aus einem Topf und geht den gleichen Weg. Es ist halt so, wenn man alle Migranten in eine Tüte stopft.
Wenn ich da wohnen geblieben und weiter auf die gleiche Hauptschule gegangen wäre, hätte ich vielleicht das gleiche Schicksal gehabt. Erst als ich weggezogen war und andere Freunde hatte, bin ich auf die Idee gekommen, auf die Realschule und dann weiter aufs Gymnasium zu gehen. Da hab ich erst gemerkt, dass ich das kann und dass man nur mit einem guten Schulabschluss Chancen auf eine bessere Zukunft hat.
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Geschrieben von: st (Gast) am 25-02-2008 13:39