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Lidice Drucken
 

Als wir auf dem Parkplatz der Gedenkstätte Lidice ankamen und vom Hügel gen Westen schauten, bot sich uns ein Bild eines gut gepflegten Golfplatzes. Lediglich die kaum zu erkennenden Grundmauern von zwei Gebäuden ließen erahnen, dass dort einmal Häuser gestanden hatten.

Was war geschehen?

Als die Bewohner von Lidice, einem kleinen Dorf etwa 20 Kilometer nordwestlich von Prag, am Abend des 9. Juni 1942 aus ihren Fenstern blickten, bemerkten sie ungewöhnlich viele deutsche Kraftfahrzeuge und Soldaten.

Die Vorgeschichte:

Tschechien war im April 1939 von den Deutschen besetzt worden. Am 27. Mai 1942 wurde der höchste SS-Repräsentant im Reichsprotektorat Böhmen und Mähren (das war die deutsche Bezeichnung für das annektierte Tschechien), der stellvertretende Reichsprotektor Reinhard Heydrich, auf dem Weg zu einem Büro durch ein Attentat tschechischer Widerstandskämpfer schwer verletzt. Ein paar Tage später erlag er seinen Verletzungen aufgrund einer Blutvergiftung.. Daraufhin leiteten die Nationalsozialisten massive Vergeltungsmaßnahmen gegen die tschechische Zivilbevölkerung ein.

Obwohl es keinerlei Beweise für Verbindungen dieser Widerstandskämpfer zum Dorf Lidice gab, wurde dieses willkürlich als Opfer für eine Vergeltungsaktion bestimmt. Am 9. Juni 1942, also fünf Tage nach Heydrichs Tod, fielen die Deutschen über Lidice her. Alle 172 Männer, die älter als 15 Jahre waren, wurden in den Hof der Familie Horák gebracht, wo sie tags darauf erschossen wurden. Weitere neun Männer, die auswärts in der Nachtschicht in einem Kohlebergwerk arbeiteten, und sieben schwangere Frauen wurden nach Prag gebracht. Die Männer wurden dort erschossen, während die Frauen ihre Kinder gebären konnten. Die verbleibenden 195 Frauen wurden in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert, wo 52 von ihnen ermordet wurden. Nachdem die sieben Schwangeren entbunden hatten, wurden sie von ihren Kindern getrennt und ebenfalls nach Ravensbrück deportiert. Der Ort Lidice wurde in Brand gesteckt, gesprengt und schließlich durch Züge des Reichsarbeitsdienstes eingeebnet, um die Gemeinde vollständig von der Landkarte zu tilgen.

Die Kinder von Lidice

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Die 98 Kinder des Dorfes wurden in das Lager der "Umwandererzentrale Litzmannstadt" in deportiert und nach rassischen Kriterien ausgesondert. Zwölf Kinder wurden zur „Germanisierung" vorgesehen. Diejenigen 82 Kinder, die nicht zur „Germanisierung" vorgesehen waren, wurden zusammen mit elf Kindern aus Ležáky ins Vernichtungslager Kulmhof deportiert und dort vergast. Beeindruckt hat uns das Denkmal der Kinder von Lidice. Die Bildhauerin Marie Uchytilová verbrachte mit der Gestaltung von zweiundachtzig Kinderstatuen in Überlebensgröße zwei Jahrzehnte.


Heute befindet sich auf dem Gelände des zerstörten Dorfes die Gedenkstätte Lidice mit einem Museum.Ein paar hundert Meter weiter wurde nach dem Krieg der Ort Lidice neu gegründet.

 

„Wenn kommende Geschlechter fragen, wofür wir diesen Krieg geführt haben, werden wir ihnen nur die Geschichte von Lidice zu erzählen brauchen." (Frank Knox, US-Staatssekretär, 11. Juni 1942)