In den 10 Jahren von 1991 bis 2000 gab es eine Migration nach Deutschland in der Größenordnung von ca. 10,5 Mill. Menschen, darunter ca. 8 Mill. „Ausländer“ und ca. 1,7 Mill. „Aussiedler“, ABER von diesen 10,5 Mill. Zuwanderern sind nur etwa 3,4 Mill. Personen geblieben. 7 Mill. also doppelt so viele, haben unser Land wieder verlassen.
Derzeit kommen jährlich etwa 800.000 Personen nach Deutschland. Im gleichen Zeitraum verlassen ca. 600.000 Personen Deutschland wieder, was zu einer Nettozuwanderung von Zeit ca. 200.000 Personen führt. Außer den Leuten, die legal nach Deutschland einreisen, gib auch viele, welche ohne Papiere kommen.
Ursachen
Neben der zeitlichen und der räumlichen Komponente von Migration ist es nicht zuletzt notwendig, deren Ursachen bzw. Motive zu betrachten. Migration kann freiwillig oder auf verschiedene Arten erzwungenermaßen erfolgen. Freiwillig ist sie zum Beispiel im Falle älterer oder stinkreicher Personen, die sich entschließen, ihre Residenz samt Moneten aufs Land oder ins Ausland zu verlegen, z. B. nach Mallorca. Doch diese Leute sind nicht Thema unserer Site. Offensichtlich erzwungen ist sie in Form von Fluchtmigration. Laut der Genfer Flüchtlingskonvention vom 28. Juli 1951 „findet der Ausdruck ‚Flüchtling’ auf jede Person Anwendung, die aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will."
Ökonomisch zwingende Gründe werden für die Definition einer Person als Flüchtling in der Genfer Flüchtlingskonvention demnach nicht anerkannt. Migration erfolgt jedoch nicht selten in der Hoffnung auf eine Verbesserung der Lebenssituation. In diesem Fall ist es schwieriger, zwischen Freiwilligkeit und "ökonomischem" Zwang zu unterscheiden.
Wirtschaftliche Faktoren
Bei der internationalen Migration spielen die wirtschaftlichen Situationen des Herkunftslandes und des Ankunftslandes eine entscheidende Rolle. Die Kolonisierung und Ausplünderung der armen Länder und das daraus entstandene Nord-Süd- und Ost-West-Gefälle zwingt Millionen von Menschen zur Migration. Die betroffenen Personen werden oft als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnet (und ihr Menschenrecht auf Asyl wird damit in Frage gestellt). Ein anderes Beispiel für wirtschaftlich motivierte Migration bilden jedoch Hochausgebildete und finanziell abgesicherte Fachkräfte.
Arbeitsmigration
Die große Einwanderungsphase der Arbeitsemigranten (auch „Gastarbeiter“ genannt) begann in Deutschland während 50er Jahre, als Deutschland während der Phase des Wirtschaftswunders einen Mangel an Arbeitskräften erfuhr und Gastarbeiter aus dem Ausland anwarb. Geplant war, auch in den Köpfen vieler Angeworbener, ein Rotationsprinzip: Ein zeitlich begrenzter Aufenthalt - in der Regel. zwei bis drei Jahre - und dann wieder in die Heimat zurück.
Viele dieser Gastarbeiter änderten jedoch ihre Meinung, holten ihre Familien nach und blieben für immer. Bis in die 1970er Jahre kamen so über fünf Millionen Gastarbeiter und ihre Familien nach Deutschland, vorwiegend aus den Mittelmeerländern Türkei, Italien, Spanien, ehemaliges Jugoslawien, Griechenland, Marokko, Tunesien und Portugal. Seit 1988 kamen jährlich über 200.000 Menschen mit deutschen Vorfahren nach Deutschland, vornehmlich aus Russland und Kasachstan. Es handelte sich überwiegend um Nachkommen deutscher Siedler, die durch Anwerbung im 18. Jahrhundert nach Russland gezogen waren (u.a. „Wolgadeutsche“). Ähnlich wie Deutschland begannen auch andere europäische Länder, Gastarbeiter anzuwerben, z.B. Frankreich oder Großbritannien. Diese warben vermehrt in den Ländern, die damals oder einstmals zu ihren Kolonien zählten.
Legalisierungen
Anders
als in Deutschland kam es in anderen Ländern immer wieder zu
umfangreichen Legalisierungen vorher illegalisierter Ausländerinnen und
Ausländer. Die spanische Regierung zum Beispiel gab Menschen, die
illegal in Spanien waren, seit dem 7. Februar 2005 die Möglichkeit,
legale Papiere und eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen, wenn sie
einen Arbeitsplatz aufweisen konnten. So haben von Februar bis Mai 2005
ca. 700.000 Illegalisierte eine Aufenthaltserlaubnis beantragt.
Folgen für die Herkunftsländer
Mindestens so groß wie in den Gastländern ist die massive
Arbeitsmigration auch für die Herkunftsländer von Bedeutung. Einerseits
können die Geldsendungen von Gastarbeitern einen großen Teil des
jeweiligen Bruttosozialprodukts darstellen - so übertreffen diese
Summen zum Beispiel in Moldawien und Albanien bei weitem die im Land
erwirtschafteten Leistungen. Andererseits können durch massive
Auswanderungen vor allem junger Menschen ganze Regionen überaltern.
Auch die sozialen Folgen können bedeutend sein. So werden oft Familien
jahrzehntelang zerrissen. Oft fällt es rückkehrenden Gastarbeitern
schwer, sich in ihrer Heimat wieder einzufinden. Sie sind zerrissen
zwischen alter und neuer Heimat und werden oft von den
Daheimgebliebenen abgelehnt. Im ehemaligen Jugoslawien besteht zum
Beispiel das Klischee vom Landarbeiter, der nach zehn Jahren Baustelle
im weißen Mercedes nach Hause kommt, und dann dort den hohen Herrn
spielt. Da meist vor allem Männer auswandern, kann sich Emigration auch
auf die Bevölkerungsstruktur einer Region auswirken.
Migrationspolitik
Migration findet in Form von Völkerwanderungen seit Jahrtausenden
statt. Sie war zumeist mit Kriegen zur Eroberung des neuen Heimatlandes
und Fluchtbewegungen eben wegen dieser Kriege verbunden. Heute haben
die meisten Zielländer umfangreiche gesetzliche Regelungen geschaffen,
um die Einreise von aus ihrer Sicht "unerwünschten" Migranten zu
verhindern („Festung Europa“). Mit der Umsetzung der
migrationsbezogenen Gesetze (Ausländergesetz, Zuwanderungsgesetz) wurde
eine Vielzahl von Behörden und Institutionen beauftragt.
Die modernen Formen der Migration fordern jedes Jahr eine Vielzahl von
Opfern. Da die Möglichkeiten zur legalen Migration für viele Menschen
sehr begrenzt sind, nutzen viele Migrantinnen und Migranten die Hilfe
kommerzieller Schlepper. Dabei kommt es immer wieder zu Todesfällen. Im
Juni 2000 waren im Hafen der englischen Stadt Dover 58 asiatische
Flüchtlinge erstickt in einem Lastwagen aufgefunden worden. Bei dem
Versuch von Tausenden von afrikanischen Flüchtlingen im September und
Oktober 2005, die auf marokkanischem Gebiet liegenden spanischen Städte
Ceuta und Melilla, die durch mehrere 6 m hohen Stacheldrahtzäune
„geschützt“ sind, zu erreichen, starben mehrere Menschen, und Hunderte
wurden verletzt.
Die Ablehnung der sesshaft gewordenen Ausländer durch Ausgrenzung,
Diskriminierung bis hin zu Ausländerhass und Anstieg der kriminellen
Delikte und Anschläge gegen Ausländer führt auch zur Gruppenbildung der
einzelnen Communities.
Die Unterscheidung der Motive der Migration ist entscheidend für die
Analyse der Migrationspolitik einzelner Länder. Grundlegendes Ziel von
Migrationspolitik ist die Festlegung, wem ein Recht auf Migration
zugesprochen und wem es verwehrt wird. Diejenigen Personen, denen das
Recht auf Aufenthalt in einem Land abgesprochen wird, werden, wenn sie
sich dennoch in diesem Land aufhalten, als illegale Immigranten
bezeichnet (vgl. auch illegale Immigration)