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Moscheebesuch Drucken
Während unseres Aufenthalts in Berlin hatten wir die Idee, uns mal gemeinsam eine Moschee anzusehen. Moscheen gibt es hier viele, doch sind es meist eher Gebetsräume. Nach kurzer Recherche sind wir dann auf die Sehitik-Moschee in Berlin-Neukölln gestoßen. Sie erfüllt nicht nur die Funktion einer Moschee, sondern sieht auch von außen aus wie eine. Direkt vor der Moschee befindet sich ein islamischer und hinter ihr ein christlicher Friedhof.

Türkischer Boden
Das Grundstück, auf dem heute die Moschee steht, war 1866 ein Geschenk des preußischen  Kaisers an den osmanischen Staat, um dort einen Friedhof zu errichten. Unter anderem wurden hier im 18 Jahrhundert einige osmanische Botschafter und Soldaten begraben. Der erste hier ansässige Botschafter hieß Ali Aziz Efendi, zur Erinnerung an ihn hat Padisah Abdülaziz ein Denkmal über seinem Grab errichten  lassen. Zur damaligen Zeit gab es nämlich noch keine Möglichkeiten für die Überführung der Verstorbenen in die Heimat.
Heute gehört zu der Moschee ein Beerdigungsinstitut, welches es ermöglicht, dass Verstorbene ihre letzte Ruhestätte in der Heimat haben können. Ein Grund für viele Muslime, in der Heimat beerdigt zu werden, liegt darin, dass man in Deutschland Gräber alle 20 Jahre neu kaufen muss. Nach islamischen Glauben dagegen müssen Gräber für immer bestehen bleiben. Zur Zeit hat der Friedhof eine Größe von ca. 2550 Quadratmetern und gehört dem türkischen Verteidigungsministerium. Deshalb befanden wir uns während unseres Besuchs in der Moschee auf türkischem Hoheitsgebiet.
moschee_auen
Architektur
Die Sehitlik-Moschee ist nach der klassischen osmanischen Architektur des 16. und 17. Jahrhunderts erbaut. In dieser Periode wurden Moscheen mit vielen Säulen und kleinem Zentralraum erichtet. Alle verwendeten Materialien stammen aus der Türkei. Der Bau der Sehitlik-Moschee dauerte 10 Jahre und wurde ausschließlich durch Spendengelder finanziert. Vor 2 Jahren öffnete sie dann endlich ihre Türen. Sie ist sehr farbenfroh ausgestattet worden. Viele arabische Kaligraphien schmücken den Innenraum, diese Kaligraphien geben verschiedene Texte des Korans wieder.
Erden Cetin, der uns sehr freundlich und kompetent durch die Moschee führte, erklärte uns, dass es nie Bilder - weder von Menschen noch von Tieren - in Moscheen gibt, um zu verhindern, dass Bilder angebetet werden. Denn man könne mit keinem Bild die Schönheit und Barmherzigkeit Allahs wiedergeben. In der Mitte des Innenraumes befindet sich ein prachtvoller Kronleuchter. Der Boden ist komplett mit Teppich ausgelegt, die Schuhe werden vor dem Betreten der Moschee ausgezogen. Es gibt dort einen umlaufenden Balkon, auf dem die Frauen beten können. Von oben kann man auf den Imam und die Betenden im Erdgeschoß hinunterschauen. Auf diese Weise kann man in einer Gemeinschaft beten. Die Trennung von Frauen und Männer dient nicht dazu, Frauen auszuließen, aber für beide ist es angenehmer, getrennt zu beten, da man beim Beten doch sehr dicht nebeneinander steht. Meistens wird diese Trennung von den Frauen gewünscht. Die Frauen sind in dieser Gemeinde sehr wichtig, da sie sich stärker engagieren als die Männer.
Gebet
moschee_innenraumAn einem normalen Freitag finden sich ca. 1.000 Gläubige und an Feiertagen, die auf einen Freitag fallen, sogar bis zu 5.000 Menschen ein. Die Besucher der Moschee sind überwiegend Männer im Alter von ungefähr 40 Jahren und älter. Muslime beten fünfmal am Tag - immer in Richtung Mekka. Das Gebet beschrieb Erden als Meditation; man öffnet seine Sinne und sein Herz, um zu Gott sprechen zu können. Viele würden sagen, dass fünf Gebete am Tag zu viel seien, doch Erden erklärte es uns sehr verständlich. Muslime, die dies tun, wollen sich für das Geschenk, das Gott ihnen gab - das Leben und die Fähigkeiten, die wir Menschen haben - bedanken. Sie tun dies so gerne, wie wir mit unser Mutter oder unserem Geliebten reden möchten. Er sagte dazu „Rendezvous mit dem Liebsten", und diese Beschreibung fand ich sehr gut, da man dabei nicht auf den Gedanken kommt, dass die Betenden dazu gezwungen würden oder glaubten, sie müssten es tun, denn sie beten gerne und freiwillig.
Vor allen Betenden steht der Imam, welcher nach den Gebeten auch Debatten und Diskussionen führt, um Probleme innerhalb der Gemeinschaft zu klären. Die Jugendarbeit gestaltet sich für die Moschee schwierig, weil man nur sehr schwer an Jugendliche herankommt. Dennoch bemühen sie sich darum, ihnen mehr Wissen über den Islam zu vermitteln. Als Problem bezeichnete Erden, dass jahrzehntelang kaum theologisch geschulte Menschen in den Gemeinden tätig waren. Deshalb wurden oft theologisch geschulte Imame aus den Heimatländern geholt, welche sich aber wiederum mit den Lebensbedingungen in der BRD nicht auskannten. Deshalb hofft er darauf, dass die Einrichtung von Lehrstühlen für islamische Theologie an deutschen Universitäten für Besserung sorgen wird.