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Rassismus Drucken

Die Vorurteile lassen eine rassistische Stufenleiter erkennen: „Deutschstämmige“ Aussiedler werden seltener abgelehnt als Asylbewerber aus Osteuropa, diese wiederum seltener als solche aus Asien und Afrika. Hellhäutige werden seltener abwertend behandelt als Dunkelhäutige. Am negativsten ist die Einstellung gegen die Einwanderung von Roma.

Vorurteile sind auch ein Erbe des Kolonialismus. In auslaender-rausder frühen Kolonialgeschichte spielte nicht so sehr die andere Hautfarbe als vielmehr das „Heidentum“ der Ureinwohner in Amerika, Afrika und Asien die zentrale Rolle. Diese „Ungläubigen“ galt es demnach zu christianisieren. Seit Ende des 17. Jahrhunderts wurde dann in der Wissenschaft Rasse als naturgeschichtlicher Begriff eingeführt, um Gruppen von Tieren und Menschen nach äußeren Merkmalen in höhere und niedere Kategorien einzustufen.

In Europa entwickelten sich Bilder des „Indianers“ und „Negers“. In der gutmütigen Variante wurden sie als „Naturkinder“ und „edle Wilde“ (zum Beispiel Winnetou, Freitag in „Robinson Crusoe“ oder als christlicher Dulder wie Onkel Tom in „Onkel Toms Hütte“) gezeichnet. In der negativen Variante erschienen sie als blutrünstige, verschlagene oder dumme Wilde. In beiden Fällen mussten sie unter der Vormundschaft des „weißen Mannes“ bleiben. Entsprechend wurden sie von den europäischen Kolonialherren – vor allem durch die christlichen Missionare – als Erziehungsobjekte behandelt .Falls sie sich dagegen auflehnten, schreckten diese auch nicht vor brutaler Gewalt bis hin zum Völkermord zurück (so geschehen in Reaktion auf den Hereroaufstand 1904 in Deutsch-Südwestafrika).


Menschen anderer Hautfarbe wurden in den Jahren seit der deutschen Einheit besonders häufig Opfer fremdenfeindlicher Gewalt. Fälle offener Gewalt bilden jedoch nur die Spitze des Eisbergs eines alltäglichen Rassismus.

Dieser beginnt bei „nicht böse gemeinten“ Fragen wie etwa „Sie haben doch sicher Rhythmus im Blut bei Ihrer Abstammung“ oder dem distanzlosen Wunsch, einmal durch die dunklen Locken des Gegenübers fahren zu dürfen. In vielen Erlebnisberichten beklagen farbige BürgerInnen, dass man sie nicht respektiert, sondern mit ihnen wie mit Kindern redet, sich überrascht zeigt, wenn sie gut Deutsch können, ungeniert mit dem Finger auf sie zeigt oder herabsetzende Gesten macht. Härter äußert sich die feindselige Stimmung in offenen Beleidigungen (mit Bezeichnungen wie „Nigger“, „Bimbo“ oder „Buschmänner“) und Benachteiligungen, die Farbige bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, in Geschäften, Diskotheken, Behörden, Krankenhäusern und öffentlichen Verkehrsmitteln über sich ergehen lassen müssen. Die Übergriffe reichen bis hin zu Schikanen und Gewalt durch die Polizei und andere Behörden, die Farbige oft von vornherein wie Kriminelle behandeln. Die beleidigten oder gar angegriffenen Farbigen beklagen, dass Deutsche ihnen nur selten zu Hilfe kommen. In Gesprächen berichten Schwarze häufig davon, dass man sich in Deutschland entweder über sie lustig macht oder sich vor ihnen zu fürchten scheint. Dunkelhäutige Menschen sehen sich immer wieder mit der Frage konfrontiert „was sie denn in Deutschland wollen?“

Die Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft erleichtert den Zuwanderern zwar den Alltag in Deutschland, löscht jedoch keineswegs die Voreingenommenheit in den Köpfen der Deutschen. Bis heute ist das Abstammungsprinzip bei der Einordnung von in Deutschland lebenden Menschen als In- bzw. Ausländer vorherrschend. Das andersartige Aussehen macht jemanden zum „Fremden“, daran ändert auch die Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft wenig. Als „fremd“ wird definiert, wer in der eigenen Wahrnehmung „anders“, unbekannt oder unvertraut wirkt. Der Begriff des „Fremden“ trifft somit nicht nur auf Ausländer aus staatsbürgerlicher Sicht zu, sondern auch auf Menschen mit anderen Lebensformen, Traditionen, Gewohnheiten und anderem Aussehen.