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Vorurteile seitens der deutschen Mehrheitsgesellschaft rufen bei Teilen von eingewanderten Minderheiten eine regelrechte Trotzreaktion hervor. Angehörige der zweiten oder dritten Generation grenzen sich bewusst von der deutschen Mehrheitskultur ab und identifizieren sich wieder stärker mit der Kultur und Herkunftsländern ihrer Eltern und Großeltern. Dies ist auch eine Abwehrreaktion gegen die immer wieder erhobene Forderung, Einwanderer müssten sich bedingungslos und vollständig der Leitkultur der Mehrheit anpassen, also ihre Herkunft, Sprache, Religion vergessen (Assimilation). Die jungen MigrantInnen wollen gleichberechtigt und anerkannt, also integriert sein; sie lehnen jedoch eine Aufgabe ihrer Kultur, Traditionen, Werte und Sprache, also eine vollständige Anpassung an die deutsche Mehrheitsgesellschaft, ab.

Von den Deutschen wird dies häufig als ein Zeichen für die Re-Islamisierung und einen Rückzug von der deutschen Umwelt gewertet. Der falschen Einschätzung zugrunde liegt wohl die lange verbreitete Theorie, die Einwanderer der zweiten und dritten Generation würden sich unter Aufgabe ihrer eigenen Kultur weitgehend an das deutsche Umfeld anpassen. Die Traditionen der Eltern und Großeltern werden jedoch bewahrt und dienen bei jungen MigrantInnen als kultur- und identitätsstiftend. Als besonders wichtige Werte werden hier Wärme, Großzügigkeit und die zentrale Bedeutung der Familie genannt. Vermutlich wird dieser Prozess der Rückbesinnung auf die Tradition gestärkt durch die Zurückweisungen, die immer wieder von der deutschen Mehrheitsgesellschaft erfahren werden.
Die Tatsache, dass negative Einstellungen und Vorurteile in den jüngeren Generationen abgenommen haben, spricht für eine positive Wirkung des Zusammenlebens mit anderen ethnischen Gruppen in Deutschland und einer weltoffeneren Erziehung. So hätte etwa die Aufstellung eines aus Ghana stammenden Fußballers wie Gerald Asamoah für die deutsche Nationalmannschaft vor einigen Jahren noch für Aufregung gesorgt, während dies heute akzeptiert wird.

Auch wenn es schwierig bis unmöglich ist, den Deutschen ihre Vorurteile auszutreiben, sollten wir zumindest untereinander darauf achten, andere Gruppen von MigrantInnen nicht durch das unüberlegte und reflexhafte Beharren auf Stereotypen und Klischees zu diskriminieren.