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Russisch-Orthodoxe Kirche Drucken
  Als russisch-orthodoxe Kirche werden die autokephale (können ihren Bischof selbst wählen) orthodoxe Kirche von Moskau und ganz Russland (Patriarchat) sowie die ihr nachgeordneten Kirchen bezeichnet. Sie bilden gemäß dem allen orthodoxen Kirchen gemeinsamen Glaubensbekenntnis zusammen mit den anderen orthodoxen Kirchen die Eine, Heilige, Katholische und Apostolische Kirche. Vor allem durch ihre lange eigenständige Tradition entwickelten sie einen eigenen Charakter.

Entstanden ist die russisch-orthodoxe Kirche, als Großfürst Wladimir I., Herrscher der Kiewer Russ, 988 die Taufe empfing und seine Untertanen taufen ließ.

Russisch-Orthodoxe-Kirche


Sophienkathdrale im Nowgoroder
Kreml: das zweitälteste erhaltene
Gebäude einer russisch-orthodoxen Kirche


Nach der ersten russischen Revolution 1905 entstanden in der Kirche allmählich weitreichende Reformbestrebungen. 1917 wurde Tichon, der zuvor lange in der USA gelebt hatte und als modern und tatkräftig galt, Patriarch (Kirchenoberhaupt) der russisch-orthodoxe Kirche. 1918 wurde die Trennung von Kirche und Staat in Russland vollzogen. Die meisten weiteren geplanten Reformen fanden wegen der einsetzenden Verfolgung nicht mehr statt, die damaligen Pläne werden aber teilweise seit dem Ende der Sowjetunion vorsichtig wieder aufgegriffen.   


Die Orthodoxe Nikolauskirche
in Frankfurt am Main/Hausen
Russisch-orthodoxe Kirche in Dresden

In der Sowjetunion war das Verhältnis von Kirche und Staat meist sehr gespannt, besonders in den frühen Jahren gab es massive Christenverfolgungen, 1936 gab es weniger als ein Dutzend Kirchen, in denen noch regelmäßig die Liturgie gefeiert wurde. Erst seit dem 2. Weltkrieg wurde die Kirche wieder "auf Sparflamme" geduldet, hatte aber stets mit Unterdrückungsmaßnahmen zu rechnen. Eine Reihe von Exilgemeinden betrachteten die russische Kirche als hoffnungslos von Kommunisten durchsetzt und spalteten sich daher als Russisch-Orthodoxe Auslandskirche ab; diese Spaltung besteht trotz Versöhnungsversuchen bis heute fort. Seit dem Niedergang der Sowjetunion erlebt die russisch-orthodoxe Kirche eine Renaissance. Heute hat sie wieder etwa 100 Millionen Mitglieder und hat mit dem Wiederaufbau und Neubau mehrerer großer Kathedralen begonnen Die größte russisch-orthodoxe Kirche Westeuropas [1], gegründet 1702 vom ersten russischen Botschafter Fürst Gallitzin befindet sich in Wien.

Die deutsche Zentrale der Kirche befindet sich heute in Berlin, in dessen Umgebung auch die meisten Gläubigen zu finden sind. Die russisch-orthodoxe Kirche ist in Deutschland als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. In Österreich ist sie eine "staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft".