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Stadtrundgang Oswiecim Drucken

Oswiecim Marktplatz1272 wurden Oswiecim die Stadtrechte verliehen, und bis Mitte des 15. Jhdt. wohnten dort überwiegend durchreisende Juden. Das Recht, sich auf Dauer auf dem Territorium des Herzogtums niederzulassen, erhielten Juden erst nach dem Kauf des Herzogtums durch den polnischen König Kazimierz Jagiellończyk (1457). Um den Zuzug von Juden in die Stadt zu regulieren, verbot König Siegmund August im Jahr 1563 die Erhöhung der Zahl der Juden in Oswiecim. Außerdem untersagte er ihnen den Erwerb und den Bau von Häusern am Markt. 25 Jahre später schenkte Jan Piotraszewski den ortsansässigen Juden sein Haus und sein Grundstück, wo danach eine Synagoge für die Gemeinde errichtet wurde.

Im Jahr 1636 gewährte Wladyslaw IV. Waza, König von Polen, der Jüdischen Gemeinde in Oswiecim das Recht, eigene Häuser zu bauen, diese zu besitzen und eigene Synagogen sowie Friedhöfe zu unterhalten. In der Folge vergrößerte sich die jüdische Bevölkerung und bestand 1765 aus 133 Personen. 1804 gründete der jüdische Unternehmer Jacob Haberfeld eine Spirituosenfabrik, die bald in ganz Europa bekannt wurde. Um diese Zeit betrug die Bevölkerung von Oswiecim bereits 5054 Personen; davon waren 2535 Juden (50,1%). 1900 besaß die Stadt zehn Synagogen. Der Gemeinderat bestand  vier Jahre später aus 24 Mitgliedern, darunter 13 Juden. 1932 wuchs der Gemeinderat auf 32 Mitglieder, davon 18 Juden. 1939 war die Stadt auf 14.000 Einwohner gewachsen; davon waren 8200 Juden (58.5%). Traditionell blieb der Bürgermeister dennoch Katholik. Nachdem im September 1939 der Zweite Weltkrieg ausgebrochen war, wurde Oswiecim von den Nazis eingenommen. Die Synagoge in der Berek-Joselewicz-Straße wurde niedergebrannt. 1941 wurden die jüdischen Bewohner von Oswiecim in Ghettos untergebracht, die sich in Bedzen und Sosnowiec befanden. 

oswiecim synagogeJanuar 1945: Die KZs in Auschwitz und Birkenau sowie die Gemeinde Oswiecim wurden von der Roten Armee befreit. Die ehemaligen Einwohner von Oswiecim kehrten im Juni 1945 zurück. Ein Jahr später zählte die Jüdische Gemeinde von Oswiecim wieder 40 Personen, bevor im Juli 1946 der Pogrom von Kielce den auch nach Kriegsende anhaltenden Antisemitismus in Polen dokumentierte. In den darauffolgenden zehn Jahren verließ die Mehrheit der verbliebenen Juden Oswiecim und siedelte nach Israel oder in die USA aus. Im Mai 2000 starb mit Shimon Klueger der letzte praktizierende Jude in Oswiecim.

 

B_001Links: Zeitleiste des jüdischen Lebens in Oswiecim