Das auf den ersten Blick etwas unscheinbare Thema Wohnen ist in Wirklichkeit sehr komplex und hat mit zum Teil sehr konfliktgeladenen Aspekten zu tun: mit Wohlstand und Armut, mit Einkommen und Kostenbelastung, mit Wohnformen und Wohnumfeld, mit Nachbarschaft und Isolation, mit Markt und mit Lebensstandard. Die Wohnsituation von Migranten hat sich im Laufe der Jahrzehnte entscheidend gewandelt. Die ehemaligen Gastarbeiter der 1960er Jahre sollten ursprünglich nur für absehbare Zeit in Deutschland bleiben. Eine Integration war nicht vorgesehen und zur damaligen Zeit auch nicht für nötig angesehen, denn die Arbeiter sollten ihre Leistungen erbringen, um dann mit dem gesparten Anteil ihres in Deutschland verdienten Geldes wieder in ihr Herkunftsland zu ihren Familien zurückzukehren. Anfänglich wohnten sie meist in begrenzten und schlecht ausgestatteten Sammelunterkünften.
Warum wohnen Migranten in bestimmten Quartieren? Die Gründe dafür sind bestehende familiäre Bindungen, die räumliche Nähe zu Landsleuten oder ethnische Netzwerke, insbesondere für nachziehende Ehegatten und Kinder. Wenn umgezogen wird, dann eher im engen Umkreis. Man bleibt gerne im Quartier, wo auch die Eltern und Geschwister wohnen. Manche Bereiche des Wohnungsmarktes bleiben für die Migranten ohnehin verschlossen. Deswegen suchen sie den Wohnraum häufig über informelle Kanäle, d.h. über Verwandte und Bekannte und nicht über offizielle Medien. Für Makler fehlt meist das Geld. Auch wenn sich im Zeitverlauf die Wohnverhältnisse der eingewanderten Bevölkerung verbesserten, so können noch heute deutliche Unterschiede zwischen den Wohnverhältnissen von Deutschen und Migranten ausgemacht werden: "Ausländische Haushalte sind häufiger Mieter als deutsche, leben - anders als die Deutschen - zum weitaus überwiegenden Teil in größeren Gebäuden mit mindestens drei Wohneinheiten, sind durchschnittlich später eingezogen, haben kleinere Wohnungen, zahlen dafür mehr Bruttokaltmiete je Quadratmeter und müssen einen größeren Anteils ihres Einkommens für das Wohnen ausgeben", so das Statistische Bundesamt.
Das Zusammenleben zwischen Einheimischen und Migranten ist nicht immer konfliktfrei.
Wohnungsunternehmen berichten, dass Nachbarn aus westeuropäischen Ländern von Deutschen kaum noch als Ausländer gesehen werden. Sie leben oftmals schon lange in Deutschland, haben sich an deutsche Umgangsformen angepasst, beherrschen die Sprache und pflegen Kontakte zu ihren deutschen Nachbarn. Sie werden daher in aller Regel akzeptiert. Ähnliches gilt für Nachbarn, die zwar aus anderen Ländern, z.B. der Türkei, stammen, mittlerweile aber in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland leben. Vor allem Mieter aus islamisch geprägten Ländern werden jedoch als "Ausländer" wahrgenommen, erst recht wenn fehlende deutsche Sprachkenntnisse sowie wirtschaftlich problematische Verhältnisse hinzukommen. Auch Spätaussiedler fallen oftmals negativ auf: durch Arbeitslosigkeit, fehlende Deutschkenntnisse und eine erhöhte Kriminalitätsrate. Sowohl mit islamischen Migranten als auch mit Spätaussiedlern möchten deutsche Mieter nach Aussage von Wohnungsunternehmen tendenziell nicht im gleichen Haus oder in unmittelbarer Nachbarschaft wohnen. Als Gründe werden sowohl Probleme mit der Hausordnung als auch die fehlenden Kontakte zu Deutschen angegeben. Bei den Hausordnungsproblemen geht es in erster Linie um die Größe der Familien, den häufigen Besuch von Verwandten und den damit verbundenen Lärm. Die Bereitschaft der Deutschen, ausländische Nachbarn zu akzeptieren, wird noch stärker gemindert, wenn seitens der Migranten wenig Interesse an Kontakt gezeigt wird, insbesondere seitens "Kopftuch tragender Frauen".