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Zeitzeugenbericht von Kasimierz Smolen Drucken
zeitzeugengespraech Am 26. November 2006 trafen wir uns in der Jugendbegegnungsstätte mit Herrn Smolen, der fast sein ganzes Leben lang in Auschwitz verbrachte – als langjähriger Häftling und nach der Befreiung als Leiter des Museums Auschwitz und als Zeitzeuge der Verbrechen gegen die Menschheit. Kazimierz Smolen wurde am 19. April 1920 geboren, ist also 86 Jahre alt.

Hier eine kurze Zusammenfassung seines anderthalbstündigen Vortrags:

1939 wurde Polen von den Deutschen überfallen, dabei wurden Tausende von Polen erschossen und verhaftet, die Juden wurden in verschiedenen Ghettos in Polen eingesperrt. Die Schulen und Universitäten wurden geschlossen, Lehrer und Professoren wurden verhaftet. Es herrschte in Polen Nazi-Terror, und schon im Oktober 1939 entstanden einzelne Widerstandsgruppen, diese Gruppen wurden zum großen teil von der SS oder der Gestapo entdeckt. Aus diesem Grund waren die Gefängnisse stark überfüllt; deshalb versuchte die SS im Jahre 1940 eine Stelle zu finden, an der man ein Konzentrationslager errichten konnte, - damals wurden sie als Quarantänelager für Polen bezeichnet. Bei einer Besprechung mehrerer hoher SS- und Gestapoführer wurde festgestellt, dass sich die frühere polnische Feldartilleriekaserne in Oswiecim, später Auschwitz, ihnen als Konzentrationslager dienen könnte. Am 1. Mai 1940 sind etwa 100 SS-Männer, der Schutzhaftlagerführer Rudolf Höß - er wurde zum Kommandanten von Auschwitz ernannt - außerdem auch 30 Berufsverbrecher vom KZ Sachsenhausen (Brandenburg) ins Lager gekommen. Am 14. Juni 1940 wurden die ersten 728 polnischen Häftlinge nach Auschwitz transportiert, dies war der Anfang des Lagers.

Kaziemirz Smolen hatte 1938 sein Abitur abgelegt und ist sogleich dem polnischen Militär beigetreten; er hatte an den Kämpfen im September 1939 gegen die Deutschen mitgewirkt. Schnell wurde die polnische Armee geschlagen, und sie hat sich nach Süd-Ost Polen zurückgezogen, wegen der Rückzugsmöglichkeiten nach Ungarn und Rumänien.. Diese Staaten willigten ein, dass die polnischen Soldaten beim Rückzug ihre Waffen an der Grenze abgeben konnten, um dann nach Frankreich fliehen zu können. Kasimierz Smolen ist nicht nach Frankreich geflohen, sondern er kehrte zurück zu seiner Familie. Im Dezember 1940 hat er den Eid bei der Polnischen Partisanenorganisation abgelegt. Die Mitglieder dieser Organisation haben keine Kämpfe geführt, sondern sammelten Waffen und Sprengstoff und verteilten eine illegale polnische Zeitung. Am 14. April 1940 kamen drei Gestapo-Männer in Smolens Haus und durchsuchten seine Wohnung, jedoch konnten sie nichts finden. Er wurde trotzdem mitgenommen und verbrachte ab diesem Zeitpunkt 60 Monate in Haft. Im Gefängnis angekommen, wurde er im Durchgangslager untergebracht, dort gab es keine Betten, sondern nur Pritschen, die Häftlinge bekamen keine Decken, sie durften nur auf dem Bauch liegen und nicht miteinander sprechen. Die Gefangenen wurden über 3 Monate von der geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhört und gefoltert. Da die Gefängnisse überfüllt waren, wurden er und andere nach Auschwitz gebracht. In Auschwitz- AppellplatzAuschwitz wurden sie im Block 11 untergebracht. Am 6. Juni, es war ein sehr heißer Sommertag, er erinnert sich, dass es etwa 35 – 40 Grad waren, befahlen ihnen die SS- Männer, einen Mantel, eine Mütze und einen Schal anzuziehen, und sie stellten sie mit dem Gesicht in Richtung Süden. Da sie seit Monaten keine Sonne mehr gesehen hatten, bekamen sie sehr schnell einen Sonnenbrand. Darüber hinaus mussten sie hüpfen, sich rollen und sich um ihre eigene Achse drehen, mit ausgestreckten Armen. Dies dauerte einige Stunden. Vom 6. auf den 7. Juli wurden sie zu einem Appell gerufen, und sie stellten sich in zehn Reihen auf. Sie wurden von den SS-Männern mit Stöcken und Schaufeln geschlagen. Ein polnischer Name wurde gerufen, später stellte sich heraus, dass der Angesprochene geflohen war. Dieser Appell war der längste, den Smolen erlebt hatte, er dauerte 18 Stunden. 18 Stunden, währenddessen sie ständig aufrecht und ruhig stehen bleiben mussten. Am nächsten Tag wurden sie auf drei Baracken verteilt, dort gab es keine Betten, sondern Strohsäcke, die sie auf den Boden legten. Morgens stapelten sie die Säcke und man bekam abends nie den gleichen wie zuvor. Damals verbreitete sich dadurch sehr schnell die Krätze - eigentlich keine schlimme Krankheit - wenn man die richtigen Salben besaß. Wenn man sie nicht hatte, entstanden Wunden und Infektionen, alle Häftlinge wurden sehr schnell krank.
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Sie wurden je nach Jahreszeit um 5 oder 6 Uhr morgens geweckt und arbeiteten bis spät in den Abend. Morgens bekamen sie einen Liter eines Kräutergetränks, mittags einen Liter Suppe mit Kartoffeln oder Sauerkraut und abends einen Liter Kräutergetränk, etwa 250g Brot und etwas Marmelade, manchmal sogar Leberwurst. Aufgrund dieser Ernährung hatten fast alle Häftlinge Durchfall, es gab im Lager jedoch keine Wasserleitung, keine Kanalisation. Es gab nur eine Latrine mit ungefähr 10 Plätzen, und diese Latrine durfte man nur früh morgens und abends eine halbe Stunde benutzen. Sie mussten oft barfuß arbeiten, und dies auch im Winter, deshalb sind viele an Nieren- oder Lungenentzündung gestorben. 1941 kam der Reichsführer der SS Himmler zum ersten Mal zur Inspektion nach Auschwitz und gab drei Befehle: Man sollte das Lager soweit vergrößern, dass es 30.000 Gefangene fassen konnte. Aus Birkenau sollten die Polen umgesiedelt werden, um dort das KZ Auschwitz- Birkenau zu errichten, das dann 100.000 Menschen aufnehmen sollte. Das gleiche sollte auch in Monowitz geschehen und Auschwitz III bilden, wo die Gefangenen in einer Chemiefabrik der IG Farben arbeiten sollten.

Bis Ende 1940 waren im Lager nur Polen und eine kleine Gruppe von Juden. Diese waren im Block 11 eingesperrt, sie haben nicht gearbeitet und sie haben sehr wenig zu essen bekommen, von morgens bis abends mussten sie immer im Hof von Block 11 stehen und jüdische Gebete und Lieder singen, dabei wurden sie ständig geschlagen. Nach 2 Wochen ist keiner von dieser Gruppe am Leben geblieben.
auschwitzb vor der todeswand Nach der Wannsee-Konferenz im Januar 1942 kamen sehr große Transporte, manchmal wurden 3-4 Tausend Menschen an einem Tag in das Lager gebracht. Damals entstanden dann die ersten Häftlingswiderstandsbewegungen im Lager. Die Idee war, wichtige Informationen, wie die Anzahl der Vergasten und Namen von wichtigen SS-Männern, nach draußen zu befördern und von Widerstandsorganisationen in Krakau abholen zu lassen. Diese schrieb man dann in winziger Schrift auf Zigarettenpapier, welches dann am Arbeitsplatz außerhalb des Lagers liegen gelassen wurde.
Wenn Häftlinge geflohen und wieder eingefangen wurden, wurden sie stundenlang verhört und gefoltert, um zu erfahren, wer ihnen geholfen hatte.
Nach dem Verhör ließen sie den Häftling auf dem Hof umher rennen, und er sollte schreien „Hurra, ich bin wieder da“. Am Abend wurde er dann gehängt. Im Jahr 1942/43 waren die Kontakte zwischen den Häftlingen und Partisanen sehr eng. Diese wurden mit geheimen Nachrichten darüber informiert, wenn jemand fliehen wollte, um ihm dann zu helfen. Dies gelang nicht immer, viele wurden auch wieder aufgegriffen.


Kasimierz Smolen war in Auschwitz Gefangener mit der Nummer 1327 von 1940 bis 1945. Als die Rote Armee sich Auschwitz näherte, wurde er zusammen mit 60.000 Gefangenen aus den Lagern in Auschwitz mit auf den Todesmarsch geschickt. Er kam bis ins KZ Ebensee, Nebenlager des KZ’s Mauthausen in Oberösterreich. Das KZ wurde am 6. Mai 1945 – 2 Tage vor der Kapitulation der Deutschen – von US-amerikanischen Truppen befreit.
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